<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571</id><updated>2011-04-21T23:09:46.322+01:00</updated><category term='Treibhauseffekt'/><category term='Ölpreis'/><category term='Weltwirtschaft'/><category term='George W. Bush'/><category term='Geburtenrate'/><category term='Oildrum'/><category term='Klimawandel'/><category term='Long Emergency'/><category term='Zukunft'/><category term='Schirrmacher'/><category term='Deutschland'/><category term='Ökologie'/><category term='OPEC'/><category term='Ökobewegung'/><category term='Peter Sellers'/><category term='Überbevölkerung'/><category term='Peak Oil'/><category term='Matussek'/><category term='Mr. Chance'/><category term='Ölknick'/><category term='Spengler'/><category term='Fördermaximum'/><category term='Alternative Energien'/><category term='Naturschutz'/><category term='Globale Erwärmung'/><category term='Neocons'/><category term='Ölfördermaximum'/><title type='text'>Mutter Erde</title><subtitle type='html'>Ökologie, Politik und die Zukunft der Industriegesellschaft</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>9</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-2835362657751654206</id><published>2007-12-12T11:02:00.000+01:00</published><updated>2007-12-12T11:06:50.383+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='OPEC'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölknick'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölfördermaximum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölpreis'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peak Oil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weltwirtschaft'/><title type='text'>Der Ölknick</title><content type='html'>&lt;p&gt;Wie es aussieht, haben wir nochmal für einen Moment Ruhe. Nachdem der Rohölpreis vorletzte Woche von allerlei Mediengetöse begleitet seinen bisherigen Höchststand knapp unterhalb der 100-Dollar-Marke markiert hat, pendelt er mittlerweile um 94 Dollar herum, und die ersten lehnen sich schon wieder zurück. "31 deutsche Chefvolkswirte" prophezeien auf &lt;a href="http://www.boerse-online.de/konjunktur/aktuell/493218.html" target="_blank"&gt;Börse Online&lt;/a&gt; einen Rückgang der Ölpreise für 2008, die Internationale Energieagentur senkt praktischerweise ihre &lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub034D6E2A72C942018B05D0420E6C9831/Doc%7EEDA1F03581AD84363B61864900A8ADD9D%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank"&gt;Nachfrageprognose&lt;/a&gt; für das laufende und das nächste Jahr, die FAZ warnt vor dem "&lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub034D6E2A72C942018B05D0420E6C9831/Doc%7EEE4DE42433DA44DADAE17A83CE495C915%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank"&gt;Platzen des Preisballons&lt;/a&gt;", und auf Spiegel Online &lt;a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,517398,00.html" target="_blank"&gt;behauptet&lt;/a&gt; der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), dass 100 Dollar pro Fass Rohöl geradezu ein Segen für uns wären, weil dann endlich in unkonventionelle Ölquellen wie Ölschiefer oder -sand und alternative Technik investiert würde.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Realistisch betrachtet ist allerdings sowohl die Erwartung sinkender Preise wie auch die Hoffnung auf eine blitzblanke neue Welt alternativer Energien kaum mehr als ein schöner Traum. Trotz der beinahe verzweifelten Versuche, den stetigen Ölpreisanstieg der letzten Jahre auf Spekulantentum, eine neue Welle von "Rohstoff-Nationalismus" seitens despotischer Schurken wie Putin und Chávez, den schwachen Dollar oder die unzureichenden Investition der Ölfirmen in den Ausbau ihrer Infrastruktur zurückzuführen, können sich langsam auch die Mainstream-Medien nicht mehr der Einsicht verweigern, dass die Welt es mit einem grundsätzlichen Problem zu tun hat. Der Planet ist "&lt;a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,514877,00.html" target="_blank"&gt;leergepumpt&lt;/a&gt;", das Angebot deckt die Nachfrage nicht mehr, und der Beweis dafür ist leicht zu führen. Seit zweieinhalb Jahren stagniert die Weltförderung von Rohöl plus Erdgaskondensat (ein flüssiger Erdgasanteil mit ölähnlichen Eigenschaften) den relativ verlässlichen Zahlen des &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/ipsr/" target="_blank"&gt;US-Energieministeriums&lt;/a&gt; zufolge im Bereich 84,5 bis 85 Millionen Barrel am Tag, während gleichzeitig die Weltwirtschaft nach IWF-Angaben jedes Jahr um die fünf Prozent gewachsen ist. Dadurch hat sich eine Versorgungslücke geöffnet, die sicher im gewissen Umfang durch eine effizientere Energienutzung in den alten Industrieländern aufgefangen wurde, aber für die rasant wachsenden, energieintensiven Volkswirtschaften Asiens ist dies so gut wie ausgeschlossen, und so verwundert es kaum, dass in China vor drei Wochen Dieselrationierungen eingeführt wurden, die prompt zu &lt;a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,514802,00.html" target="_blank"&gt;Unruhen an den Tankstellen&lt;/a&gt; führten. Die Folgen finden sich im kleinen Einmaleins der Marktwirtschaft: Zieht weltweit die Nachfrage an, während das Angebot gleich bleibt, steigt der Preis. Spekulierende Hedge-Fonds, Möchtegern-Geostrategen und inkompetente Manager verschärfen das Problem natürlich, verursacht haben sie es nicht.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Was aber, wenn nun die Förderung nicht nur stagniert, sondern auch noch absinkt? In den USA, in Mexiko, in der Nordsee und Dutzenden anderen Ölförderregionen ist dies längst, teilweise seit Jahren, der Fall. Momentan scheinen nur noch Russland, Brasilien und einige OPEC-Staaten ihre Produktion tatsächlich steigern zu können, während eine heftige &lt;a href="http://www.theoildrum.com/node/2476" target="_blank"&gt;Debatte&lt;/a&gt; darum entbrannt ist, ob Saudi-Arabien bei der Höhe seiner verfügbaren Reserven in der Vergangenheit geschummelt hat. Diese Frage aber ist von entscheidender Bedeutung, weil wir nicht wissen, ob die arabische Halbinsel wirklich noch genügend Förderpotenzial besitzt, um das Absinken derart vieler anderer Produzenten aufzuwiegen. Seit über fünf Jahrzehnten ist bekannt, dass die Ölförderung in Regionen statistisch signifikanter Größe - von politischen Faktoren abgesehen - einer Glockenkurve folgt, die der gaußschen Normalverteilung ähnelt und einen wohldefinierten Höhepunkt besitzt, den "&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peak_Oil" target="_blank"&gt;Peak Oil&lt;/a&gt;". Zuerst werden die großen, einfach zu erschließenden Felder ausgebeutet, Vorräte und Expansionsmöglichkeiten erscheinen endlos, aber irgendwann werden nicht mehr genügend neue Funde gemacht, die Felder werden kleiner, sind schwerer zu finden und zu erschließen, und schließlich schlägt die Kurve um. Danach folgt der lange, steinige Weg nach unten - der Ölknick.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als der US-amerikanische Geophysiker &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/M._King_Hubbert" target="_blank"&gt;M. King Hubbert&lt;/a&gt; dieses Modell 1956 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentierte, wurde er wahlweise ausgelacht oder ignoriert. Als die USA fünfzehn Jahre später tatsächlich das von ihm berechnete Fördermaximum erreicht hatten, lachte niemand mehr, und Hubbert war ein gern gesehener Gast in Fernsehstudios, in denen er seine Vorhersage eines weltweiten Fördermaximums für den Zeitraum zwischen 1995 und 2000 publik machte. Gleichzeitig brachen die Ölkrisen der 1970er über die Industrienationen herein, Richard Nixon versprach den Amerikanern "Energie-Unabhängigkeit bis 1980", und Jimmy Carter schließlich ließ Solarzellen auf dem Dach des Weißen Hauses montieren und gab den "Global 2000"-Bericht in Auftrag, auch für viele Deutsche seinerzeit die Initialzündung, sich mit Umweltfragen zu beschäftigen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Doch als 1980 Ronald Reagan zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde, machte sich der Prediger des Freien Marktes unverzüglich daran, das Ruder wieder herumzureißen. Die Solarzellen verschwanden, Carters nach dem zweiten Ölschock 1978 durch den Kongress gebrachtes "Synfuel"-Programm wurde gekippt, und es war schließlich Reagan (und nicht etwa die Familie Bush!), der die unheilvolle Allianz Washingtons mit dem Hause Saud einging. Die Amerikaner auf ihrem Kreuzzug gegen das Böse in Moskau unterstützen die islamischen Mudschaheddin in Afghanistan mit Waffen, die Saudis halfen dafür mit Geld in Nikaragua, Angola oder Äthiopien aus. Und dazu drehten die Scheichs den Ölhahn auf, bis der Preis wieder auf ein für die USA und die Weltwirtschaft komfortables Niveau gesunken war. Dieser Pakt hielt auch in den Clinton-Jahren, und zusammen mit den neu erschlossenen riesigen Lagerstätten in Alaska und der Nordsee bescherte er der Welt vermutlich das letzte Mal zweieinhalb Dekaden der sinnlosen Verschwendung kostbarer Kohlenwasserstoffe. Gier war gut.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als dann auch noch Hubberts Prognose eines weltweiten Fördermaximums weder 1995 noch 2000 eintrat, schien der Fall erledigt - apokalyptische Schwarzmalerei, Pseudowissenschaft. Immer wieder geisterten zwischendurch beruhigende Meldungen durch die Medien, dass wir unsere Mobilitätsbedürfnisse in Zukunft ohnehin mit Wasserstoffautos und Magnetschwebebahnen befriedigen würden, aber auf die tatsächliche Verkehrsinfrastruktur hatte das keinerlei Auswirkungen, und außer grotesk überdimensionierten Flughafen-S-Bahnen und schicken Konzeptstudien ist letztendlich nichts davon geblieben. Einziger Motor der Weltwirtschaft war und ist weiterhin das Öl, das zwar immer effizienter eingesetzt wird, aber ein wirklicher Wechsel zu anderen Energiequellen ist auch in anderen Bereichen als dem Verkehr kaum über das Stadium der Sonntagsreden hinausgekommen. Hubbert hatte außerdem seine Prognose eines Umknickens der Förderkurve bis 2000 vor dem Iran-Ölschock gemacht, der einen massiven Rückgang der Förderung bedingte und mittelfristig zumindest in den europäischen Verbraucherländern ein starkes Bewusstsein für höhere Energieeffizienz nach sich zog und damit auch - relativ zur Entwicklung des BIP - einen Rückgang bzw. eine Stagnation des Verbrauchs. Dadurch dürfte sich das Einsetzen des Ölknicks um einige Jahre verzögert haben. Die Frage lautet - wie lange?&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Manche Leute sagen, jetzt wäre es soweit. Am lautesten tönt dabei seit einigen Jahren die Stimme der &lt;a href="http://www.peakoil.net/" target="_blank"&gt;Association for the Study of Peak Oil&lt;/a&gt; (ASPO), die sich um den irischen Geologen Colin Campbell formiert hat und inzwischen Ableger auf der ganzen Welt besitzt, seit kurzem sogar in China. Mit der &lt;a href="http://www.aspo-germany.org/" target="_blank"&gt;deutschen Sektion der ASPO&lt;/a&gt; eng verbunden ist die &lt;a href="http://www.energywatchgroup.org/" target="_blank"&gt;Energy Watch Group&lt;/a&gt; (EWG), ein von dem grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell initiiertes "Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern", das vor kurzem eine unabhängige &lt;a href="http://www.energywatchgroup.org/fileadmin/global/pdf/EWG_Oilreport_10-2007.pdf" target="_blank"&gt;Studie&lt;/a&gt; über die Höhe der noch verbleibenden Ölreserven und die Entwicklung der Förderkurve bis 2030 veröffentlicht hat. Allein die Tatsache, dass das monumentale Werk nicht in Deutschland, sondern in London der Presse vorgestellt wurde, spricht Bände für den Bekanntheitsgrad des Problems hierzulande, dabei enthält der Inhalt wahren Sprengstoff: Das Maximum der weltweiten Ölförderung wäre demnach 2006 erreicht worden, und der Abfall der Förderrate in den nächsten Jahren würde weitaus steiler ausfallen als bis jetzt vermutet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Aber das sind natürlich die üblichen Verdächtigen: Grüne, pensionierte Wissenschaftler, unabhängige Energieberater. Wer schon die Erderwärmung für eine offene Frage hält, wird diesen Mahnern und Warnern, die aufgrund der mangelnden Breitenwirkung des Themas zudem nicht auf die Ergebnisse von Tausenden wissenschaftlicher Studien verweisen können, keinen Glauben schenken. Umso gewichtiger sind dementsprechend die Worte, mit denen in den letzten Wochen mächtige Männer mit Maßanzügen und großen Dienstwagen an die Öffentlichkeit getreten sind, die scheinbar auf der anderen Seite der Barriere stehen und traditionell nicht gerade zu den Propheten der Ressourcenverknappung zählen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Reigen begann mit Lord Oxburgh, dem früherem Vorstand der Shell Transport and Trading Company, der sich im September in die Höhle des Löwen wagte und auf einer ASPO-Konferenz in Irland eine Rede hielt. Bereits im Vorfeld zeigte er sich in einem &lt;a href="http://www.davidstrahan.com/blog/?p=40" target="_blank"&gt;Interview&lt;/a&gt; pessimistisch, was die zukünftige Verfügbarkeit von Öl angeht: "In gewisser Weise ist das Fördermaximum kaum von Bedeutung. [...] Das Problem ist, dass die Nachfrage fast sicher das Angebot übersteigen wird, aus welchen Gründen auch immer, und das ist es, was uns Schwierigkeiten machen wird." Dann kam Donald Paul, Vizepräsident und technischer Leiter des Ölmultis Chevron, der im Oktober bei einer Wirtschaftskonferenz die Frage nach dem Ölfördermaximum &lt;a href="http://www.greentechmedia.com/articles/chevron-cto-says-peak-oil-wont-be-a-disaster-229.html"&gt;eindeutig bejahte&lt;/a&gt;, obwohl er einschränkte, dies bedeute "nicht die Katastrophe, die einige Leute erwarten", weil andere Arten der Treibstoffgewinnung zur Verfügung stünden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Noch dicker kam es dann anlässlich der unlängst in London veranstalteten &lt;a href="http://www.energyintel.com/om/"&gt;Oil &amp;amp; Money Conference 2007&lt;/a&gt;, auf der verschiedene Teilnehmer das Problem der mangelnden Versorgung und des Fördermaximums ansprachen. Sadad Al-Husseini, ehemaliger Vizepräsident der staatlichen saudischen Ölgesellschaft Aramco, &lt;a href="http://www.davidstrahan.com/blog/?p=68" target="_blank"&gt;warnte&lt;/a&gt; eindringlich davor, dass 300 Milliarden Barrel, beinahe 25 Prozent der weltweiten Reserven, nur "spekulative Ressourcen" seien, die man vielleicht niemals ausbeuten könne. Zuvor hatte al-Husseini in einem &lt;a href="http://www.davidstrahan.com/blog/?p=67" target="_blank"&gt;Interview&lt;/a&gt; das Potenzial Saudi-Arabiens zur kurzfristigen Erhöhung der Erdölproduktion von derzeit 9,5 auf mehr als 12,5 Millionen Barrel am Tag in Frage gestellt und einen Anstieg der Ölpreise in den Bereich um 120 Dollar innerhalb der nächsten fünf Jahre prophezeit. al-Husseini will noch nicht von einem "Maximum" sprechen, erwartet aber ein "Förderplateau" für die nächsten 15 Jahre.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zu den Branchenexperten, die in einem vornehmen Hotel in der Londoner Park Lane ihre Ansichten zur Ölpreisentwicklung vortrugen, gehörte auch der 2006 zum "Petroleum-Manager des Jahres" gekürte Schokri Ghanem, lybischer Premierminister und Vorstand der staatlichen Ölgesellschaft des Landes. Ghanem äußerte &lt;a href="http://uk.reuters.com/articlePrint?articleId=UKL3080747520071030"&gt;Befürchtungen&lt;/a&gt;, dass die Weltförderung von Rohöl ein Niveau von 100 Millionen Barrel am Tag niemals überschreiten werde. "Der Grund dafür liegt darin, dass die Produktion in einigen Ländern absinkt, wir aber keines mehr von den Riesenfeldern finden, die wir in den 50ern und 60ern noch so oft entdeckt haben. [...] Es wird jetzt überall von der Peak-Oil-Theorie geredet," so Ghanem. "Entscheidend ist dabei weniger die Zahl der zu erreichenden Förderhöhe als das Prinzip: Die Welt kann nicht für alle Zeiten unendlich viel Öl produzieren." Christophe de Margerie, Vorstand des französischen Ölkonzerns Total, bezweifelte in London ebenfalls, dass die weltweite Ölproduktion jemals 100 Millionen Barrel am Tag übersteigen werde, und bezeichnete selbst diese Zahl als "&lt;a href="http://fr.biz.yahoo.com/01112007/17/petrole-les-previsions-de-production-mondiale-sont-trop-optimistes-avertit.html"&gt;eine optimistische Hypothese&lt;/a&gt;". De Margerie sieht zwar die größten Probleme bei der mangelhaften und veralteten technischen Infrastruktur der Ölindustrie, musste aber auch &lt;a href="http://www.davidstrahan.com/blog/?p=71#more-71" target="_blank"&gt;zugeben&lt;/a&gt;, dass man anderweitig Fehler gemacht habe: "Wir sind definitiv - und zwar alle von uns - zu optimistisch gewesen, was die Geologie angeht."&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Beunruhigend ist daneben die Kehrtwende der Internationalen Energieagentur (&lt;a href="http://www.iea.org/"&gt;IEA&lt;/a&gt;) in Paris, deren Chefökonom Fatih Birol in einem &lt;a href="http://www.davidstrahan.com/blog/?p=69"&gt;Interview&lt;/a&gt; bekannt gab, dass sich seine Organisation in Zukunft nicht mehr auf die Reservenzahlen des &lt;a href="http://www.usgs.gov/"&gt;United States Geological Survey&lt;/a&gt; (USGS) verlassen werde, um seine Prognosen zur zukünftigen Ölförderung zu berechnen. Birol spricht von "Beschränkungen und Unsicherheiten", die es zu beseitigen gelte. Diese Meldung ist von enormer Bedeutung, weil die Energiebehörden oder -ministerien der Industriestaaten sich bei ihrer Arbeit in der Regel auf die Daten der IEA verlassen. Kritiker werfen dem USGS seit längerem vor, ein zu rosiges Bild der Lage zu zeichnen, und möglicherweise ist für die Zukunft eine fundamentale Neubewertung der Lage bei den Ölreserven zu erwarten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Den Vogel allerdings schoss der amerikanische Shell-Boss John Hofmeister ab, der vor wenigen Tagen in Atlanta eine &lt;a href="http://www.11alive.com/news/article_news.aspx?storyid=106479" target="_blank"&gt;Rede&lt;/a&gt; hielt, die geradezu Churchill'sche Dimensionen hatte. Hofmeister warnte die Amerikaner vor einem "ökonomischen Alptraum" innerhalb der nächsten zehn Jahre und orakelte düster, die letzte zusammenhängende Energiestrategie der US-Regierung seien die Rationierungen im 2. Weltkrieg gewesen. "Was haben wir zu erwarten? Einhundert Dollar pro Barrel? [...] Welche Energiesicherheitsstrategie hat unsere Nation, um mit diesem rätselhaften zehnfachen Anstieg des Rohölpreises in weniger als einem Jahrzehnt fertig zu werden? Stellen Sie sich vor, das nächste Jahrzehnt würde einen weiteren zehnfachen Anstieg bringen." Mit alternativen Techniken sei erst langfristig zu rechnen, handeln aber müsse Amerika jetzt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Angesichts der früheren Beschwichtigungen, Abwiegelungen und offiziellen Ableugnungen bedeuten diese Aussagen kaum etwas anderes als eine stillschweigende Anerkennung der Peak-Oil-Theorie durch die Führungsetage der Ölwirtschaft. Da wirkt es schon beinahe bizarr, dass Abdallah S. Jum'ah, Präsident von Saudi Aramco, auf dem Weltenergiekongress in Rom die kühne &lt;a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,517171,00.html" target="_blank"&gt;These aufstellte&lt;/a&gt;, die vorhandenen Ölreserven würden noch 100 oder 200 Jahre reichen. Nicht die Hälfte des förderbaren Öls sei bereits verbraucht, sondern höchstens sieben bis neun Prozent. Jum'ah verwendete allerdings einen Taschenspielertrick: Er bestreitet gar nicht, dass die Reserven beim so genannten "konventionellen Öl" nur noch etwa die Hälfte dessen betragen, was man in den gut 140 Jahren des Erdölzeitalters bereits aus dem Boden geholt hat, nämlich etwa eine Billion Barrel. Dazu rechnet er aber ohne große Umschweife sieben bis acht Billionen Barrel "nicht-konventionelles Öl", dass in Form von Schweröl, Tiefseebohrungen oder Ölschiefer bzw. -sänden zu gewinnen sei.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Hier aber liegt sozusagen der Ölhund begraben, den auch Professor Straubhaar vom HWWI übersieht, wenn er von den förderlichen Wirkungen des hohen Rohölpreises schwärmt, und dabei handelt es sich nicht um ein Problem von Marktbedingungen oder Investitionen, sondern um eines der Physik: Jede Art von Energiegewinnung hat einen bestimmten Effizienzgrad, der sich aus der Energiebilanz der beteiligten Prozesse errechnet. Im Englischen nennt man diesen Faktor "&lt;a href="http://www.eoearth.org/article/Ten_fundamental_principles_of_net_energy" target="_blank"&gt;EROEI&lt;/a&gt;" (Energy Returned on Energy Invested), im Deutschen beginnt sich die Bezeichnung "Erntefaktor" durchzusetzen, die herkömmlicherweise für den energetischen Wirkungsgrad von Kraftwerken in Gebrauch ist. Der Erntefaktor spiegelt die Überlegung wider, dass zum Beispiel für die Bereitstellung eines Liters Superbenzin ein bestimmter Aufwand betrieben werden muss, um etwa die zugehörige Ölquelle zu finden, den Bohrturm herzustellen, aufzurichten und zu betreiben, das Öl zur Raffinerie zu bringen, dort in Benzin umzuwandeln und schließlich an einer Tankstelle zu verlaufen, bei der ein Werbeplakat für die Vermarktung sorgt. Für jeden dieser Schritte muss Energie aufgewendet werden, die von der ursprünglichen Energie des Öls abzuziehen ist, um die tatsächliche, für andere wirtschaftliche Aktivitäten verfügbare Nutzenergie zu erhalten. Der Erntefaktor ist das Verhältnis von Nutzenergie zu ursprünglicher Energie, und er muss größer als eins sein, damit ein energetischer Gewinn erzielt werden kann.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Es leuchtet ein, dass die Höhe des Erntefaktors auf Dauer auch eine Auswirkung auf die Kosten haben muss. Energiearten sind zwar weder in technischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht völlig austauschbar, und auch der tatsächliche Preis pro Kilowattstunde weist je nach betrachteter Art der Nutzung beträchtliche Unterschiede auf, auch wenn man Steuern und sonstige Abgaben nicht mit einrechnet. Dennoch lässt sich grob verallgemeinern, dass ein niedrigerer Erntefaktor unabhängig von der Art der beteiligten Energien höhere Kosten nach sich zieht. Dies ist von ganz fundamentaler Bedeutung für die volkswirtschaftliche Bewertung von Methoden zur Energiegewinnung, da hierdurch nicht einfach "Barrel aus konventionellem Ölfeld" gegen "Barrel aus Ölsand" oder "Barrel aus Biodiesel" gegeneinander aufgerechnet werden kann. Für die aktuelle Förderung von Rohöl aus US-amerikanischen Quellen wurde beispielsweise ein Erntefaktor &lt;a href="http://www.digitaluniverse.net/portal/net_energy_analysis" target="_blank"&gt;zwischen 11 und 18&lt;/a&gt; errechnet, während eine Studie der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe für deutschen Biodiesel einen Erntefaktor &lt;a href="http://fnr-server.de/pdf/literatur/pdf_236biokraftstoffvergleich2006.pdf" target="_blank"&gt;von etwa 3&lt;/a&gt; ergibt. Für den Erntefaktor bei der Produktion synthetischer Kohlenwasserstoffe aus Ölsand in der kanadischen Alberta-Provinz liegen keine seriösen Gesamtrechnungen vor, allerdings bringt bereits der Einsatz von Erdgas zur Erhitzung des Ölsands den Erntefaktor je nach eingesetztem Verfahren auf &lt;a href="http://pubs.pembina.org/reports/OilSands72.pdf" target="_blank"&gt;4 bzw. 7&lt;/a&gt;, so dass insgesamt ein Wert von 3 bis 5 realistisch sein dürfte. Wie man also sieht, besteht zwischen dem konventionellen Rohöl und den Stoffen, mit denen es ersetzt werden soll, in energetischer Hinsicht ein nicht unbeträchtlicher Unterschied, der sich natürlich in den Produktionskosten niederschlägt und damit letztlich in den Aufwand, den die Weltwirtschaft insgesamt betreiben muss, um Energie zu gewinnen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mit anderen Worten: Wenn wir unsere derzeitige Wirtschaftsleistung aufrecht erhalten möchten, dabei aber mehr und mehr auf Energie aus unkonventionellen Ölvorkommen oder alternativen Energiequellen angewiesen sind, müssen wir die Energieeffizienz des Bruttoinlandsprodukts drastisch erhöhen und uns genau überlegen, aus welchen Quellen wir in Zukunft die Energie beziehen wollen, ohne die unsere Industriegesellschaft rasch zusammenbrechen würde - und das zusätzlich zu all den anderen Problemen wie der Erderwärmung, dem Mangel an Metallrohstoffen, dem Verlust von Biodiversität oder der Verarmung der Böden. Es reicht nicht aus, einfach nur möglichst viele Windräder oder Biogasanlagen aufzustellen und damit tendenziell anderen Bereichen der Wirtschaft Ressourcen zu entziehen, die Endverbraucher müssen mit weniger Energie auskommen, die besser genutzt werden muss, um keine massive Rezession auszulösen. Und am Ende wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als auf einen Teil unserer Energienutzung schlicht und einfach zu verzichten. Diesen Epochenwandel ohne schmerzhafte Verwerfungen zu bewältigen, den Ölknick zu überleben, ist die große Aufgabe von Politik und Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;(Zuerst veröffentlicht am 16.11.2007 in &lt;a href="http://kommentare.zeit.de/user/berndohm/beitrag/2007/11/16/der-oelknick"&gt;ZEIT Community&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-2835362657751654206?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/2835362657751654206/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=2835362657751654206' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/2835362657751654206'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/2835362657751654206'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/12/der-lknick.html' title='Der Ölknick'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-1695660197671993459</id><published>2007-10-16T15:18:00.000+01:00</published><updated>2007-10-16T16:15:38.540+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölpreis'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peak Oil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Oildrum'/><title type='text'>Redet mal irgendwer von Peak Oil?</title><content type='html'>Der Rohölpreis steht also &lt;a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,511787,00.html"&gt;kurz vor 88 Dollar&lt;/a&gt;, und was soll der Anlass sein? "Spannungen zwischen der Türkei und Kurden im Nordirak sowie spekulative Käufe als Folge der politischen Krise"...! Wir sind nur noch zwei Dollar vom &lt;a href="http://news.yahoo.com/s/nm/20071016/ts_nm/markets_oil_dc_20;_ylt=AqV6v.KWITCBh5fjCrXbO5qAsnsA"&gt;inflationsbereinigten Höchstpreis von 1978&lt;/a&gt; entfernt, und alles, was dem zwischen Journalistenohren üblichen Vakuum einfällt, sind die üblichen Klagen über das gierige Spekulantentum! (Wann fangen sie wieder mit den jüdischen Großbankiers an...?)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer Zeit hat, kann ja mal zur &lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.theoildrum.com/node/2828"&gt;Oildrum&lt;/a&gt; gehen und sich die erste Grafik anschauen, die den historischen und vermutlich weiteren Verlauf der Erdölproduktion ("Supply") in Bezug zu Bedarf ("Demand") und Rohölpreisen ("Oil Price")  zeigt. Die aktuelle Version der Prognose ist vom August, aber die Kurve zeigte bereits Anfang des Jahres in etwa denselben Verlauf. Die Daten gehen auf statistische Veröffentlichungen und Schätzungen der &lt;a href="http://www.iea.org/"&gt;Internationalen Energieagentur&lt;/a&gt;, des &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/"&gt;US-Energieminsteriums&lt;/a&gt; und der &lt;a href="http://sydneypeakoil.com/downloads/PR_APR06_Megaprojects.pdf"&gt;Megaprojects&lt;/a&gt;-Datenbank, die eine Zusammenstellung der großen Ölfelder enthält, zurück. Wie gut zu erkennen ist, wird für den Herbst 2007 (das ist jetzt) ein Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage erwartet, das zu einem "Preisschock" führt. Nun, den haben wir jetzt, und die tatsächlichen Daten entsprechen exakt der Prognose.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist das für ein Spiel, "Wer zuerst Peak Oil sagt, hat verloren"?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-1695660197671993459?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/1695660197671993459/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=1695660197671993459' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1695660197671993459'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1695660197671993459'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/10/redet-mal-irgendwer-von-peak-oil.html' title='Redet mal irgendwer von Peak Oil?'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-1695144981256044919</id><published>2007-07-18T23:27:00.000+01:00</published><updated>2007-12-12T11:06:01.991+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölpreis'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ökologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fördermaximum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peak Oil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Long Emergency'/><title type='text'>Auf dem Gipfel</title><content type='html'>&lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Heute morgen bin ich in die Stadt gefahren. Es sind nur sieben Kilometer, aber wenn ich das Fahrrad nehme, kriege ich die Regalbretter nicht mit, die ich noch für das Büro brauche. Außerdem kann ich dann gleich noch beim Supermarkt vorbeifahren und die restliche Ladefläche unseres alten Kombis mit Bionadekisten, Müslipackungen und Milchcontainern vollpacken. Wirkliche Alternativen dazu gibt es nicht – der öffentliche Nahverkehr besteht hier in der Gegend hauptsächlich aus Schulbussen, und es gibt kaum noch Ladengeschäfte in den Dörfern.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Hin und zurück verbraucht das Auto anderthalb Liter Super, die mich zur Zeit gut zwei Euro kosten. (Erinnern Sie sich noch an den Spruch: „Allah ist mächtig, Allah ist stark. Der Liter Benzin kostet bald zwei Mark“...?) Viele Leute stöhnen wegen der Benzinpreise, die so hoch sind wie nie zuvor, aber wenn man sich den dafür erhaltenen Gegenwert vor Augen hält, macht man eigentlich immer noch ein ganz gutes Geschäft: Ein Liter Super enthält ungefähr &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heizwert" target="_blank"&gt;9 Kilowattstunden Energie&lt;/a&gt;, ich benötige also 13,5 Kilowattstunden für meine Fahrt, vielleicht 14, weil ich auf dem Rückweg schwerer beladen bin. Nehmen wir an, mein Auto müsste von Menschen gezogen werden, die gut trainiert sind und durchschnittlich etwa &lt;a href="http://www.learn-line.nrw.de/angebote/agenda21/lexikon/WattJoule.htm" target="_blank"&gt;200 Watt Ausdauerleistung&lt;/a&gt; bringen. Wenn ich den Weg wie gewohnt innerhalb von 20 Minuten zurücklegen möchte, müssten dementsprechend zum Erreichen derselben 14 Kilowattstunden nicht weniger als 210 muskelbepackte, schweißtriefende Sklaven den ollen Benz im Sprinttempo über die norddeutsche Tiefebene ziehen. Selbst wenn ich Pferde davor spanne (die als kurzfristige Spitzenleistung tatsächlich &lt;a href="http://www.mythen-post.ch/datei_mp_1_94/pferd_1_ps_mp_1_94.htm" target="_blank"&gt;12 bis 15&lt;/a&gt; „PS“ bringen), bräuchte ich immer noch 4 bis 5 davon – die ich allerdings nach dieser enormen Anstrengung zum Abdecker geben könnte. Ich hätte natürlich auch die Möglicheit, einen Leiterwagen zu nehmen und gemütlich zu Fuß durch die Feldmark zu spazieren, aber dann würde ich den ganzen Tag mit Einkaufen verplempern. Die zwei Euro für den Sprit sind also ganz gut angelegt.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Wieso kann ich mir diese Massen an Arbeitskraft, von denen selbst antike orientalische Despoten nur träumen konnten, so selbstverständlich und mühelos leisten? Ich zapfe einfach ein Sparkonto an, in dem vor ziemlich langer Zeit eine enorme Menge Sonnenlicht eingefangen, in Form absterbender Algen und Planktontierchen angelegt und als Erdöl und Erdgas in den einbruchssicheren Banktresor der irdischen Gesteinshülle eingelagert wurde. Wenn man der Mehrheitsmeinung der Geologen Glauben schenken darf, geschah dies in einer Zeit großer Erderwärmung, die zu einer ebenso großen Produktion von Biomasse führte, für deren normale Zersetzung in flachen Meereslagunen nicht mehr genügend Sauerstoff vorhanden war. Spätere Überschichtungen, ein langsames Einköcheln und Verflüssigen in den tieferen Erdschichten sowie der Wiederaufstieg in Oberflächennähe haben schließlich zu den Depots geführt, aus denen heute Shell, Yukos &amp;amp; Co. das vermeintliche „Steinöl“ mit (im Vergleich zum Energiegehalt) minimalem Arbeitsaufwand nach oben pumpen und in ihren Raffinierien unter anderem zu Superbenzin verarbeiten. Mein Auto fährt also in Wirklichkeit mit prähistorischem Sonnenlicht – in ungeheuer konzentrierter Form.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Wie hoch diese Konzentration tatsächlich ist, lässt sich mit ein paar überschlägigen Zahlen verdeutlichen: Der weltweite Primärenergieverbrauch betrug 2004 ungefähr &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/pub/international/iealf/table18.xls" target="_blank"&gt;363 Exajoule&lt;/a&gt; (Exa = 18 Nullen), davon gut 300 Exajoule in Form von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle (letztere besteht ja in analoger Weise aus urzeitlichen Farnwäldern). Diese Zahl ist etwas unhandlich, aber stellen wir uns vor, wir wollten zum Vergleich die &lt;a href="http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d54/54c.htm" target="_blank"&gt;164 Milliarden Tonnen&lt;/a&gt; Biomasse, die jedes Jahr auf der Erde von den Pflanzen neu gebildet werden, nicht zum Essen, Anziehen oder Häuserbauen verwenden (bzw. den Tieren überlassen), sondern vollständig verbrennen – bei einem Durchschnittsheizwert von 12 Megajoule pro Kilogramm ergäbe das knapp 2000 Exajoule. Mit anderen Worten: Wir verheizen ungefähr alle 7 Jahre eine zusätzliche globale Jahresproduktion an Biomasse, die in Form von fossilen Rohstoffen in der Erdkruste gespeichert ist. Was das für den globalen Kohlenstoffkreislauf und den Treibhauseffekt bedeutet, ist ja inzwischen allgemein bekannt, aber wie sieht es mit dem aktuellen Kontostand des unterirdischen Speichers aus? Ein Sparkonto, das keine Zinsen trägt und auf das man nie etwas einzahlt, von dem man aber dauernd abhebt, ist irgendwann unweigerlich leer, auch wenn man es anfangs mit einer Summe zu tun hatte, für die nicht einmal Dagobert Ducks Fantastillionen fassender Geldspeicher ausreichen würde.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Lassen wir Kohle und Erdgas beseite, und konzentrieren wir uns auf den wichtigsten Teil dieses über Jahrmillionen angewachsenen Vermögens, das wir lachende Erben derzeit mit vollen Händen ausgeben: das Erdöl. Allgemeiner Konsens ist, dass seit dem Beginn des Ölzeitalters in den 1860ern weltweit knapp 1100 Gigabarrel konventionelles Öl gefördert wurden und noch mindestens weitere 1000 bis 1200 Gigabarrel als erwiesene &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/international/reserves.html" target="_blank"&gt;Reserven&lt;/a&gt; vorhanden sind. Dazu kommen noch zu entdeckende Vorkommen, außerdem flüssige, erdölähnliche Kohlenwasserstoffe, die bei der Erdgasgewinnung anfallen oder durch Erhitzen von Ölschiefern, Ölsanden und Schwerstölen sowie aus der Kohleverflüssigung gewonnen werden. Je nachdem, wie hoch man die Schätzwerte für diese „möglichen“ und „nicht-konventionellen“ Reserven ansetzt und wie schnell die für ihre Gewinnung erforderliche technische Infrastruktur eingerichtet werden kann, ergeben sich unterschiedliche Szenarien für den weiteren Verlauf der Weltversorgung mit Öl.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Die Optimisten, zu denen die meisten leitenden Ölmanager, die Verfasser des einflussreichen &lt;a href="http://www.deutschebp.de/liveassets/bp_internet/germany/STAGING/home_assets/assets/deutsche_bp/broschueren/de_oil_section_2006.pdf" target="_blank"&gt;BP-Weltenergieberichts&lt;/a&gt; und vor allem der „Ölpapst“ Daniel Yergin mit seiner Consulting-Firma &lt;a href="http://www.cera.com/aspx/cda/public1/news/pressReleases/pressReleaseDetails.aspx?CID=8444" target="_blank"&gt;CERA&lt;/a&gt; gehören, glauben an die Existenz großer, noch unentdeckter Reservenpotentiale, und sie vertrauen beinahe blind auf den Marktanreiz höherer Ölpreise, der ihrer Meinung nach dazu führen wird, dass schwer zugängliche und technisch anspruchsvolle Vorkommen so schnell erschlossen werden, dass die Fördermenge weiter ansteigt und damit ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft möglich ist. Laut dieser Sichtweise sind noch beinahe 4000 Gigabarrel Reserven vorhanden, es besteht also kein Anlass zur Sorge, und erst für die Jahre um 2045 haben wir mit einem „wellenförmigen Plateau“ zu rechnen, bevor die Welt-Förderkurve langsam wieder absinkt. Bis dahin, so die Hoffnung, funktioniert dann die Kernfusion, oder das Solarzeitalter ist ausgebrochen.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Dem irischen Erdöl-Geologen &lt;a href="http://www.peakoil.net/" target="_blank"&gt;Colin Campbell&lt;/a&gt;, einem der wichtigsten Protagonisten der „Peak-Oil-Bewegung“, zufolge gleicht die Gesamtmenge an Erdöl in der Erdkruste dagegen einem großen Glas Bier: Die ersten Schlucke gelingen mühelos, man muss das Glas nur leicht neigen, um an seinen Inhalt zu kommen, und die Qualität ist exzellent – frisch und schaumgekrönt. Je leerer aber das Glas wird, desto mehr Energie muss man aufwenden, um es beim Trinken anzuheben, und desto schlechter wird die Qualität des Inhalts. Am Ende muss man schließlich das Glas beinahe ganz umstürzen, um an den schalen, schaumlosen Rest zu gelangen. Entsprechend findet man bei der Erdölexploration zuerst die „leichten“, größeren Felder, die man nur anpieksen muss, um schwarzes Gold in allerbester, schwefelfreier Qualität sprudeln zu lassen. (James Dean!!! „Giganten“!!!) Mit der Zeit wird es dann immer schwieriger, neue Quellen zu finden, die technischen Anforderungen wachsen ebenso wie der für die Förderung notwendige Energieaufwand, und am Ende gibt es nur noch eine zähflüssige, schweflige Brühe in winzigen Feldern, deren Ausbeutung Unsummen verschlingt, weil man an die Grenzen der Technik gehen und dazu noch diverse vor Ort agierende Bürgerkriegsparteien bestechen muss. Irgendwo dazwischen liegt der sogenannte „depletion midpoint“, der Punkt, an dem die einfach zu erschließende Hälfte gefördert ist und die Förderrate aufgrund technischer, finanzieller, politischer und geologischer Beschränkungen nicht mehr gesteigert werden kann. Und von da an geht es abwärts.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Mathematisch formalisiert wurde dieser Gedanke schon vor einigen Jahrzehnten von dem US-Geophysiker M. King Hubbert, der Ende der 1950er Jahre korrekt – und unter den heftigsten Schmähungen seiner Kollegen und Arbeitgeber in der Ölindustrie – das Erdöl-Fördermaximum für die kontinentalen Kernstaaten der USA auf das Jahr 1971 datierte. Seitdem sinkt die Fördermenge des einstmals größten Erölproduzenten der Welt trotz aller Anstregungen einer fortschrittsverliebten Hightech-Volkswirtschaft (und sogar trotz der Ölfunde in Alaska!) kontinuierlich ab und hat zu dem allseits bekannten symbiotischen Verhältnis Washingtons mit den arabischen Feudalaristokratien geführt. Hubbert prognostizierte auch ein weltweites Fördermaximum für das Jahr 2000, das offensichtlich nicht eingetreten ist – allerdings machte er diese Vorhersage 1969, also vor den großen Ölschocks und Wirtschaftskrisen der 1970er, die einen beträchtlichen Nachfragerückgang und anschließend zumindest teilweise erfolgreiche Bemühungen um eine effizientere Verwendung des Erdöls nach sich zogen. Wenn man diesen Faktor einberechnet, verschiebt sich der Zeitpunkt des weltweiten „Hubbert-Peak“ um ungefähr fünf bis zehn Jahre. Mit anderen Worten: Wir wären mitten drin.&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;  &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Sind wir das? Es lässt sich nicht auschließen. Die &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/ipsr/t11d.xls" target="_blank"&gt;Weltförderung von Rohöl&lt;/a&gt; einschließlich Erdgaskondensat hat im Mai 2005 mit 74,27 Megabarrel pro Tag ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, seitdem tändelt die Fördermenge um 73 bis 74 Megabarrel pro Tag herum, ohne dass dafür eine stagnierende Weltwirtschaft verantwortlich gemacht werden könnte. Wichtige Erdöl-Exportnationen haben offensichtlich ihren Fördergipfel bereits überschritten: Die Produktion in Norwegen nimmt pro Jahr um ca. &lt;a href="http://www.npd.no/engelsk/cwi/pbl/en/index.htm" target="_blank"&gt;7 Prozent ab&lt;/a&gt;, das ist wesentlich mehr als noch vor ein paar Jahren erwartet, auch Großbritannien ist seit 2006 wieder &lt;a href="http://www.dtistats.net/energystats/et3_10.xls" target="_blank"&gt;Nettoimporteur&lt;/a&gt; von Erdöl, und der &lt;a href="http://www.nytimes.com/2007/02/08/business/worldbusiness/08fobriefs-PEMEXOILFIEL_BRF.html" target="_blank"&gt;Rückgang der mexikanischen Förderrate&lt;/a&gt; kann nur noch als Absturz bezeichnet werden – die Rebellen der „Revolutionären Volksarmee“ mit ihren &lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=start&amp;amp;art=1953&amp;amp;id=469&amp;amp;cHash=fc556f0274" target="_blank"&gt;Pipeline-Anschlägen&lt;/a&gt; wissen genau, wo sie den verhassten Staat, dessen Haushalt zu einem wesentlichen Teil aus Öl- und Erdgaseinnahmen besteht, in seinem Lebensnerv treffen können. Derzeit ruht alle Hoffnung auf der OPEC, die weiterhin &lt;a href="http://derstandard.at/?id=2929099" target="_blank"&gt;behauptet&lt;/a&gt;, die Produktion jederzeit bei Bedarf steigern zu können, aber selbst wenn das stimmen sollte, haben die Mitgliedsstaaten offenbar nicht genügend Öl der Qualität „Light Sweet Crude“ im Angebot, den bevorzugten Rohstoff für die Raffinierung von Benzin und Diesel, was in den letzten Monaten zu einer relativ stärkeren Verteuerung von Nordseeöl – das eben diese Eigenschaften aufweist – geführt hat.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Schlechte Zeiten für die Optimisten also. Und Neuentdeckungen in der Größenordnung der sogenannten „Elefanten-Felder“ oder „Super-Giants“ (u. a. Ghawar in Saudi-Arabien, Cantarell in Mexiko oder Burgan in Kuwait), die einen substanziellen Teil der gegenwärtigen Ölförderung liefern, sind seit Jahrzehnten nicht gemacht worden; die letzten waren die Nordsee und der North Slope in Alaska. Neue Fundstätten mittlerer Größenordnung wie das kasachische &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kashagan_Field" target="_blank"&gt;Kaschagan&lt;/a&gt;-Feld (dessen potenzielle Größe inzwischen von 32 auf „9 bis 16“ Gigabarrel zurückgestuft werden musste, also vielleicht ein Fünftel des Welt-Jahresbedarfs) oder das Tiefseefeld &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Thunder_Horse" target="_parent"&gt;Thunder Horse&lt;/a&gt; im Golf von Mexiko werden aufgrund von technischen Schwierigkeiten um Jahre später in Produktion gehen als ursprünglich vorgesehen. Die Zahl der Neufunde hat in den 1960ern ihren Höhepunkt erreicht und ist seitdem kontinuierlich gesunken – was man nicht findet, ist aller Wahrscheinlichkeit nach einfach nicht da.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Behindert wird die Erdölförderung aber auch durch politische Umstände: Viele Ölförderländer haben einen neuen Ressourcennationalismus entdeckt, der im diametralem Gegensatz zu der schönen neuen Welt des Freihandels steht, die um 1990 von einigen voreiligen Kommentatoren ausgerufen wurde. Gerade hat die russische Regierung BP und Shell mit Hilfe fingierter Anschuldigungen über angebliche Umweltverstöße gezwungen, ihre Beteiligungen an sibirischen Erdgasfeldern an die staatliche &lt;a href="http://www.boerse-online.de/tools/ftd/2153982.html" target="_blank"&gt;Gazprom zu verkaufen&lt;/a&gt;, und Venezuelas umtriebiger Präsident Hugo Chávez hat die Gringos von ConocoPhillips und ExxonMobil mit &lt;a href="http://www.ftd.de/politik/international/:Venezuela%20US%20%D6lindustrie/218293.htm"&gt;Verstaatlichungsdrohungen&lt;/a&gt; aus dem Land gejagt. Ein weiteres Problem stellen instabile politische und gesellschaftliche Verhältnisse in vielen Förderregionen dar. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die Unruhen in Nigeria samt Entführungswelle und Generalstreik, aber wer weiß schon, dass es auch in der „Krisenregion“ &lt;a href="http://www.darfur-hilfe.org/sudan-darfur/darfur-erdoel.php" target="_blank"&gt;Darfur&lt;/a&gt; große Ölvorkommen gibt?&lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;  &lt;/p&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Der jüngste Anstieg der Rohölpreise auf knapp unter 80 Dollar pro Barrel hat sogar die Mainstreammedien aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt, und vor kurzem klärte ein Bericht bei &lt;a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,493556,00.html" target="_blank"&gt;Spiegel Online&lt;/a&gt; den deutschen Durchschnittsuser darüber auf, dass die in Paris beheimatete Internationale Energieagentur vor einer möglichen Ölkrise warnt, die sich innerhalb von fünf Jahren aufgrund mangelnden Angebots bei steigender Nachfrage einstellen könnte. Es ist beinahe eine Art Gezeitenwende, dass die notorisch optimistisch gesinnte IEA beginnt, sich den harten Realitäten der Geologie zu stellen, aber darüber kann man in Afrika schon heute nur lachen: Da sich die dortigen Volkswirtschaften Rohöl bereits zu den derzeitigen Preisen kaum noch leisten können, ist die Wirtschaft in vielen Ländern südlich der Sahara mehr oder weniger zum Stillstand gekommen. Die Nachrichten sprechen für sich: &lt;a href="http://allafrica.com/stories/200706110673.html"&gt;Treibstoffmangel in Kenia&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.businessdayonline.com/?c=45&amp;amp;a=13356" target="_blank"&gt;Gambia,&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.businessdayonline.com/?c=45&amp;amp;a=13356" target="_blank"&gt;allgemeine Energiekrise in Ghana&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.marketwatch.com/news/story/zambias-indeni-refinery-stocks-depleted/story.aspx?guid=%7B2E3FA5AC-8B89-4FB6-9BF2-853A0CCB0E0D%7D" target="_blank"&gt;Raffinierie in Sambia ohne Rohöl&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.iht.com/articles/ap/2007/07/13/africa/AF-GEN-Zimbabwe-Price-Crackdown.php" target="_blank"&gt;Schwarzmarkt für Öl heizt Inflation in Simbabwe an&lt;/a&gt; (als ob das Land nicht genug Probleme damit hätte, von einem Irren regiert zu werden...), &lt;a href="http://allafrica.com/stories/200707091654.html" target="_blank"&gt;Botswana steigt auf Kohle um&lt;/a&gt;, nicht genügend Elektrizität in &lt;a href="http://transcripts.cnn.com/TRANSCRIPTS/0705/12/i_if.01.html" target="_blank"&gt;Uganda&lt;/a&gt; und im &lt;a href="http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&amp;amp;click_id=86&amp;amp;art_id=nw20070612215827303C377988" target="_blank"&gt;Senegal&lt;/a&gt; (in Afrika wird Elektrizität vor zu einem beträchtlichen Teil durch Dieselgeneratoren erzeugt); selbst das ölreiche Nigeria leidet wegen der Unruhen und nicht ausreichender eigener Raffinieriekapazitäten an &lt;a href="http://www.metimes.com/storyview.php?StoryID=20070704-063444-5266r" target="_blank"&gt;Benzinmangel&lt;/a&gt;. Kommt alles nicht in den „Tagesthemen“? Dummerweise hören wir von Afrika in unseren Massenmedien immer nur dann, wenn die Zahl der Flüchtlinge auf den Kanaren oder Malta wieder einen neuen Rekordstand erreicht hat – ansonsten befinden wir uns im Paris-Hilton-Modus. Aber wie viele Afrikaner werden es in ein paar Jahren sein, die an den Urlaubsstränden der reichen Nordeuropäer für schlechtes Gewissen sorgen, wenn sich die Situation noch weiter verschlechtert hat, als sie ohnehin schon ist? Und wann kommt der Umschwung vom schlechten Gewissen zum Hass auf die zusätzlichen Esser?&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Nicht dass die Krise auf Afrika beschränkt wäre: Der Bogen spannt sich von Argentinien, das letzte Woche &lt;a href="http://www.mercopress.com/vernoticia.do?id=10894&amp;amp;formato=HTML" target="_blank"&gt;Erdgaslieferungen an Chile einstellen musste&lt;/a&gt;, um den eigenen Bedarf sicherzustellen, über Nepal, das seine &lt;a href="http://newspostindia.com/report-5826" target="_blank"&gt;Benzinrechnungen in Indien&lt;/a&gt; nicht mehr bezahlen kann, bis hin zu Pakistan, wo die Regierung von Präsident Musharraf zunehmend &lt;a href="http://www.dailytimes.com.pk/default.asp?page=2007%5C06%5C25%5Cstory_25-6-2007_pg7_20" target="_blank"&gt;Straßenunruhen&lt;/a&gt; begegnen muss, weil die Elektrizitätsversorgung immer wieder zeitweise zusammenbricht. Wenn in den Fernsehbildern von irgendwo auf der Welt zornige, Fäuste schüttelnde Menschen zu sehen sind, ist das nicht immer und unbedingt auf religiöse Streitigkeiten zurückzuführen. In Wirklichkeit beginnt offenbar an den Rändern unserer Wahrnehmung das, was der US-Autor James Howard Kunstler den „&lt;a href="http://nine11.eu/awfnet/index.php?id=21" target="_blank"&gt;Langen Notstand&lt;/a&gt;“ nennt – eine historische Epoche von unabsehbarer Dauer, die von Ressourcenkriegen, Klimakatastrophen und dem schleichenden Zusammenbruch der bisherigen staatlichen Ordnung geprägt sein wird. Wann treten wir, die Europäer, in diese neue Ära ein?&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Und was bedeutet das alles für mich? Mein Leben verläuft oberflächlich gesehen relativ „ölarm“, ich arbeite von zu Hause aus über das Internet und muss nicht jeden Tag mit dem Auto ins Büro. Meine letzte Flugreise liegt auch schon ziemlich lange zurück, und ein nicht unbedeutender Anteil unserer Lebensmittel kommt aus dem eigenen Garten oder von Erzeugern aus der unmittelbaren Umgebung. Das Haus haben wir mit Holz, Lehm und Hanf ausgebaut, und nächstes Jahr will ich einen Haufen Hainbuchen pflanzen, die eines Tages in Kopfbewirtschaftung eigenes Brennholz liefern sollen. Andererseits frisst das Einkaufen viel mehr Sprit als früher in der Stadt, der Ölbrenner ist noch zu neu, um ihn zu ersetzen, und die Baumaterialien sind nicht gerade per Pferdekutsche ins Dorf gekommen: Die Ziegelsteine, aus denen der Hof 1941 gebaut wurde, hat man noch im Nachbarort gebrannt; unser Lehmputz dagegen kommt aus Sachsen, der Hanf für die Dachdämmung aus der Uckermarck, die Bodendielen aus Schweden.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Und dann das Internet – trotz aller elektronischen Werbeprospekte, Pornoshops und Heiratsmärkte die fantastischste Erfindung unserer Zivilisation, eine unglaubliche und immer wieder umwerfende Mischung aus der Bibiliothek von Alexandria, der athenischen Volksversammlung und der preußischen Staatspost. Ich könnte hier weder leben noch arbeiten, wenn es das weltweite Computernetz nicht gäbe, dass mir jeden Tag eine virtuelle, weltweit organisierte Agora ins Haus bringt, das Beste der städtischen Kultur, ohne dafür Verkehr, Menschenmassen und Häusergebirge in Kauf nehmen zu müssen. (Nicht dass Sie meinen, ich hätte grundsätzlich etwas gegen Technik...) Und nun vor kurzem diese Meldung: Jede Suchanfrage bei Google soll schätzungsweise soviel Energie verbrauchen, dass eine 11-Watt-Energiesparbirne damit &lt;a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,492078,00.html" target="_blank"&gt;eine Stunde lang leuchten könnte&lt;/a&gt;. Wenn ich an die Zahl meiner täglichen beruflichen wie privaten Googeleien denke – genug, um den Ballsaal des Adlons die ganze Nacht erstrahlen zu lassen... Und die Computer, das physische Rückgrat dieses ungeheuren, scheinbar immateriellen Netzwerks? Für die Herstellung jedes einzelnen davon werden (laut &lt;a href="http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf-alt/umweltgifte/HG_Computer_und_Umwelt_0305.pdf" target="_blank"&gt;WWF&lt;/a&gt;) „durchschnittlich 240 Kilogramm fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung, 22 Kilo Chemikalien und 1,5 Tonnen Wasser verbraucht“. Und diese Chemikalien haben es in sich: Coltan aus dem Kongo, wo seine Gewinnung die &lt;a href="http://www.prowildlife.de/de/Presse/Archiv_2001/PM-Coltan/pm-coltan.html" target="_blank"&gt;Wildfauna bedroht&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.cbgnetwork.org/527.html" target="_blank"&gt;Bürgerkriege finanziert&lt;/a&gt;; Blei und andere giftige Schwermetalle; bromierte Flammschutzmittel und Weichmacher, die sich in der Nahrungskette anlagern. Das Glitzerding Internet ist nicht denkbar ohne seine unsichtbare Basis aus Kohle- und Atomkraftwerken, Rohstoffminen, Chemiewerken und Industrieanlagen, die alle ordentlich Energie verbrauchen und den Planeten vollmüllen. Wenn diese untrenntbar mit der Nutzung fossiler Rohstoffe verbundene Infrastruktur ihren Input aus prähistorischem Sonnenlicht verliert, ist das Netz mausetot.&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Was also tun? Werden mich Biotreibstoffe aus Algen retten? Die Kernfusion? Die Wiederkehr des Brutreaktors? Wasserstoffautos, die mit Sonnenkollektoren in der Sahara getankt werden? Wind- und Gezeitenfarmen in der Nordsee? Gesetzlich vorgeschriebene Energiesparlampen? Hanfplantagen, die man nicht nur wegkiffen, sondern zu Biogas verarbeiten kann? Der „&lt;a href="http://www.netl.doe.gov/publications/others/pdf/Oil_Peaking_NETL.pdf" target="_blank"&gt;Hirsch-Report&lt;/a&gt;“, ein 2005 für das US-Energieministerium erstellter Bericht über die Folgen des Ölfördermaximums, kommt zu dem ernüchterndem Schluss, dass man 20 Jahre vor dessen Auftreten damit beginnen müsste, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um schwerwiegende Folgen und Energieknappheit zu vermeiden. Das hat unter anderem den einfachen Grund, dass eine völlig neue Energieinfrastruktur – woraus auch immer sie bestehen mag – ungeheure Investitionen verschlingen würde, die man von den laufenden Wirtschaftsaktivitäten abzweigen müsste. In einer weiterhin stetig expandierenden Weltwirtschaft wäre das – mit ein wenig Einschränkung – nicht einmal undenkbar, aber wenn die Energiekosten stärker steigen, als die Energieeffizienz verbessert wird, weil der Hubbert-Peak bereits erreicht wurde, ist ein Rückgang der Gesamtwirtschaftsleistung die unausweichliche Folge. Denn dann müssen neue Investitionen mit den Anstrengungen konkurrieren, überhaupt das bisherige Niveau zu halten – ganz elementar bis hin zur Verhinderung von Hungersnöten, weil die gegenwärtige Höhe der landwirtschaftlichen Produktion ohne fossile Rohstoffe für die Düngemittelgewinnung, Pestizidproduktion und den Betrieb der Arbeitsmaschinen nicht aufrechtzuerhalten ist. Jede Regierung der Welt wird bei knapper Ölversorgung planwirtschaftlich dafür sorgen, dass die Bauern weiter ihre Trecker und Mähdrescher fahren können. Ebenso wird man möglichst versuchen, die Verkehrsinfrastruktur, die medizinische Versorgung und ein Mindestmaß an einheimischer industrieller Produktion zu gewährleisten. Ob dann noch Steuergelder für den ITER-Forschungsreaktor übrig sind?&lt;/p&gt;  &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Währenddessen träumt die Menschheit weiter von einer &lt;a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25645/1.html" target="_blank"&gt;Zukunft in den Sternen&lt;/a&gt;, in der wir überlichtschnell durch die Galaxie rasen oder den &lt;a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,495231,00.html" target="_blank"&gt;Mars bepflanzen&lt;/a&gt;, um der Zivilisation neue Expansionsmöglichkeiten zu erschließen. Wahrscheinlicher ist, dass wir demnächst wesentlich kleinere Brötchen backen müssen und in diesen Jahren das Maximum dessen erreicht haben, was eine auf fossilen Rohstoffen basierende, nicht-nachhaltige Zivilisation leisten kann. Das heißt sicher nicht, dass langfristig ein grundsätzlicher Wandel unmöglich wäre, aber kurzfristig graut es einem vor dem Weg dorthin.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-1695144981256044919?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/1695144981256044919/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=1695144981256044919' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1695144981256044919'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1695144981256044919'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/07/auf-dem-gipfel.html' title='Auf dem Gipfel'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-2209595869797533432</id><published>2007-06-20T13:06:00.000+01:00</published><updated>2007-06-20T13:33:11.833+01:00</updated><title type='text'>Grünes Rückgrat</title><content type='html'>Ein kleiner Nachtrag zum letzten Post: Gerade verbreitete Radio Bremen die Meldung, dass die Bremer Grünen nach dem Erfolg der rot-grünen Koalitionsverhandlungen dem Neubau eines Kohlekraftwerks mit jährlich rund fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß im Stadtteil Mittelsbüren nicht mehr grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Im Wahlkampf hatten Bremens künftige Mitregierende noch gegen die CO2-Schleuder gewettert, aber nachdem E.ON den Bau jetzt als "Experiment" verkauft, bei dem "zukünftige Techniken" der CO2-Einsparung erprobt werden sollen, haben sie ihr Herz für die Technik entdeckt. Oder ihr Herz für große Dienstwagen? Nachdem Sie sich bereits bei der Ausbaggerung der Unterweser der Position der SPD gebeugt haben, besteht das weitere Parteiprogramm der Grünen in Bremen von nun wohl vornehmlich aus "Hauptsache mitregieren". Soviel zu der Frage, ob die Grünen für den Umweltschutz eintreten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-2209595869797533432?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/2209595869797533432/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=2209595869797533432' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/2209595869797533432'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/2209595869797533432'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/06/grnes-rckgrat.html' title='Grünes Rückgrat'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-3010191091563749963</id><published>2007-06-04T16:55:00.000+01:00</published><updated>2007-06-04T21:40:45.494+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Globale Erwärmung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ökologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peak Oil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Naturschutz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ökobewegung'/><title type='text'>Zurück zu den Graswurzeln</title><content type='html'>&lt;font style="font-weight: bold;"&gt;Für eine neue Ökoradikalität&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle raufen sich die Haare, keiner will's gewesen sein. Mein Gott, die Erde heizt sich auf...! Bangladesh geht unter...! Die Bienen verschwinden...! Biodiesel bringt Orang-Utans um...! Tortilla-Krise in Mexiko wegen US-Äthanolfabriken...! Sinkende Ölförderraten...! Das größte Artensterben seit den Dinosauriern...! Wie konnte das nur geschehen? War das die böse Industrie? Ein Virus aus dem All? Eine geheime Verschwörung von Bilderbergern und Illuminaten? Die fiesen, übergewichtigen Amis mit ihren spritsaufenden SUVs, wie üblich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keineswegs. Das waren wir selbst. Wir und unsere mindestens dreißig Jahre alte Weigerung, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Wir und unser alberner Glaube, auf einer endlichen Welt wäre unendliches Wachstum möglich, das man nur ein wenig grün anstreichen muss, um für „Nachhaltigkeit“ zu sorgen. Wir und unsere Mülltrennung, unsere Katalysatorautos, unsere Naturschutzgebiete, unser sanfter Tourismus, unser Dosenpfand, unsere nachwachsenden Rohstoffe, unser DDT-Verbot, unsere Ökosteuer und unser Ausstieg aus der Kernenergie, der am Ende sowieso keiner ist. Wir mit unserer ewigen Halbherzigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann nicht gerade behaupten, das Thema wäre erst seit gestern auf dem Tisch. 1962, von heute aus betrachtet beinahe schon ein Zeitalter entfernt, erschien Rachel Carsons Klassiker &lt;font style="font-style: italic;"&gt;Der stumme Frühling&lt;/font&gt;, der den US-Amerikanern zum ersten Mal vor Augen führte, wohin der ungehemmte Einsatz von chemischen Stoffen, die von der Natur nicht vorgesehen sind, für die „Schädlingsbekämpfung“ in der industriellen Landwirtschaft führt. Carsons vehemente Anklage war die Initialzündung für die Entstehung der US-Umweltbewegung, die bald auch auf Europa übergriff, wo sie auf ältere Traditionen wie die Lebensreformbewegung oder die Biologisch-dynamische Landwirtschaft traf und ihnen neues Leben einhauchte. 1971 wurde Greenpeace gegründet, ein Jahr später erschien der nächste Klassiker, Dennis Meadows' &lt;font style="font-style: italic;"&gt;Die Grenzen des Wachstums&lt;/font&gt;, der den Lesern die Gefahren exponentiellen Wachstums in einer endlichen Welt drastisch vor Augen führte, und noch ein Jahr später erfuhr die westliche Welt, dass es kein Menschenrecht auf eine gesicherte Ölversorgung gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muss man noch Jimmy Carter erwähnen, der Solarzellen auf das Dach des weißen Hauses montieren ließ und die &lt;font style="font-style: italic;"&gt;Global 2000&lt;/font&gt;-Studie in Auftrag gab, laut Wikipedia immer noch „die Bibel der modernen Umweltbewegung“? Die Schrecksekunde von Harrisburg? Die Pest von Seveso? Das Jahr der Geigerzähler 1986, als in der Ukraine das passierte, was doch niemals passieren sollte? Das große Robbensterben 1989? Die UN-Klimarahmenkonvention von Rio, die schon vor 15 Jahren deutlich machte, dass eine weitere Erhöhung menschengemachter Treibhausgase den sicheren Weg in die Hölle bedeuten würde? Die Ölpestkatastrophen in Alaska und der Bretagne? Die großen Überschwemmungen, bei denen in den letzten beiden Jahrzehnten immer wieder in Nordamerika und Europa die Flüsse außer Rand und Band gerieten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor bald drei Jahrzehnten führten Ereignisse wie diese dazu, dass manche Leute radikale Fragen stellten und ebenso radikale Antworten gaben. Kritiker wie Carl Amery, Rudolf Bahro, Robert Jungk oder Herbert Gruhl auf der einen, die „Graswurzelrevolution“ oder die Ökosozialisten bei den Grünen auf der anderen Seite hielten sich nicht mit Mülltrennung und Tempolimits auf, sondern stellten die Mechanismen und geistigen Grundlagen der Industriegesellschaft selbst in Frage: Eine Kultur, die auf der zerstörerischen Aneignung ihrer materiellen - notwendigerweise beschränkten - Grundlagen basiert, muss sich irgendwann selbst fressen. Eine Wirtschaftsweise, die nur unter der Voraussetzung unendlichen exponentiellen Wachstums überhaupt einen Sinn ergibt, ist auf Dauer gesehen eine Absurdität. Eine Ideologie, die den Menschen außerhalb der natürlichen Lebenszusammenhänge stellt und ihm ein gottgegebenes Recht zuerteilt, diese Lebenszusammenhänge bedenkenlos zu seinem eigenen Nutzen auszubeuten, macht uns blind dafür, was wir wirklich sind: ein untrennbarer Teil des Ganzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist seitdem mit der Umweltbewegung geschehen? Ein Paradebeispiel für den Weg von der überaus berechtigten Fundamentalkritik zum sinnlosen Herumdoktern an Detailfragen und Symptomen sind die Grünen, die heute wenig mehr als eine FDP mit Biodieselantrieb darstellen. Irgendwann Ende der 80er übernahm eine Kamarilla von frustrierten ehemaligen „Linksradikalen“ (die vermutlich auch nur linksradikal waren, weil das in der RAF-Zeit die zukunftssicherste Karrierechance zu sein schien) das Ruder, die von einem gewissen Joseph Fischer aus Frankfurt angeführt wurden und in den Grünen nach deren ersten Wahlerfolgen ihre letzte Chance sahen, nochmal irgendwann im Leben an die Schaltstellen der Macht zu gelangen. Und welch großen Erfolg sie damit hatten! Herr Minister Fischer, Herr Minister Trittin, Herr Staatsminister Volmer, Frau Bundestags-Vizepräsidentin Vollmer, Herr Europaabgeordneter Cohn-Bendit - Stars einer Bewegung, die mit dem Rotationsprinzip für Abgeordnete und der Zwangsabgabe von Diäten anfing und bei Cem Özdemirs Bonusmeilenaffären endete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was aber war der Preis dafür, dass die radikalen Ökologen nach Fischers Coup die Partei verließen und die radikalen Pazifisten ihnen spätestens nach der deutsche Teilnahme am Kosovo-Krieg folgten? Die Umweltpolitik wurde Teil des üblichen politischen Kuhhandels: Ich stimme deiner Reform zu, aber nur, wenn du sie möglichst verwässerst und mir dafür den Ministerposten in meinem Lieblingsressort gibst - dafür stimmst du das nächste Mal meiner Reform zu, die ich ebenfalls verwässern werde, aber so, dass es keiner merkt und alle meinen Eifer loben; letztendlich sind wir doch alle Menschen und können zusammen einen Rotwein trinken gehen... Dass ist herzerwärmend, führt aber am Ende dazu, dass man den Ausstieg aus der Kernenergie verkündet, während man in Wirklichkeit eine Bestandsgarantie für den weiteren Betrieb von Atomkraftwerken abgegeben hat. Oder vom Umbau des Agrarsystems schwafelt, während in Wirklichkeit der 1000-Hektar-Betrieb zur Norm wird (Motto: „ein Dorf, ein Bauer“) und jedes Jahr - auch während der Zeit der rotgrünen Regierung - weitere Bundesmittel für die habitatzerstörende „Flurbereinigung“ ausgegeben werden. Oder von der Industrie das Drei-Liter-Auto fordert, während man selbst zu Dienstwagen mit immer stärkeren Motoren greift. Oder Biogasanlagen steuerlich fördert, deren Beschickung mit Mais zu Monokulturen, Bodenerosion und Pestizideinsatz in ungekanntem Ausmaß führt. Oder, oder, oder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neueste Schlager in dieser Hitparade der Ersatzbefriedigungen heißt „Biotreibstoff“. Die Bauern sollen, wie Renate Künast das einst so wortgewandt formulierte. zu Ölscheichs werden, und unsere Blechschleudern sollen mit Rapsöl oder malaysischem Palmenschnaps laufen, damit ein bisschen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt und ja alles so weitergehen kann wie bisher. Kein Gedanke mehr daran, dass das Problem nicht der Treibstoff ist (der Gott sei Dank irgendwann zu Ende gehen wird), sondern unsere „Mobilitätskultur“, die auf der Grundannahme basiert, dass jeder Mensch das Recht habe, in 50 Kilometer Entfernung von seiner Arbeitsstelle zu wohnen, jedes Jahr drei Mal in den Urlaub zu fliegen und im Januar neuseeländische Erdbeeren zu essen. Ebenso setzt man alle Hoffnungen in das technische Luftschloss „Kohlendioxid-Sequestrierung“ für Kohlekraftwerke, um ja nicht der Gefahr ins Auge sehen zu müssen, dass das Zeitalter der elektrobetriebenen Küchenmixer kürzer sein könnte, als Thomas Edison sich das vorgestellt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es hilft nichts - wir kommen um einer neue Diskussion von Grundsatzfragen und eine neue Radikalität bei deren Beantwortung nicht herum. Wenn die Klimawissenschaftler Recht haben, beginnt der Planet sich langsam gegen uns zu wehren, und der aktuelle Biotreibstoffboom könnte in wenigen Jahren auch noch die letzten Waldgebiete des Planeten zu reinen Rohstofflieferanten unserer Kohlenwasserstoffmaschinen degradieren. Wieviel Zeit wird uns bleiben, um das Schlimmste noch abzuwehren, wenigstens einen Teil des großen Artensterbens zu verhindern und das Ende der Industriekultur so wenig abrupt wie möglich zu gestalten? Vermutlich nicht allzu viel. Reden wir also wieder über die Überbevölkerung. Über die drohenden Rohstoffkriege. Über das Ende des Ölzeitalters. Über die Vergewaltigung unseres Bodens durch die konventionelle Landwirtschaft. Über den Irrsinn des globalen Flugverkehrs. Über unsere heile Kleinbürgerwelt mit ihren Einfamilienhäusern und Rasenwüsten, die unsere Landschaft zerstört hat. Über die neoliberalen Dünnbrettbohrer, die die öffenliche Rede über Wirtschaftsfragen im Würgegriff der kurzfristigen Gewinnmaximierung halten. Über Opfer, Mühen und Einschränkungen, die uns bevorstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist Zeit, dass die radikalen Lebens- und Naturschützer aus ihren kleinen Nischen und Permakultur-Schrebergärten wieder herauskommen und sich um die &lt;font style="font-style: italic;"&gt;Res publica&lt;/font&gt; kümmern. Auf die Grünen ist nicht mehr zu hoffen, die Volksparteien sind ohnehin industriefixiert, und die Globalisierungsgegner haben noch nicht begriffen, das eine weltweit gerechte Verteilung der Mittel und Ressourcen bedeutet, dass wir alle bescheiden werden müssen - und zwar mehr, als uns lieb sein wird. Das ist kein dankbarer Job, weil niemand gerne dem Blues vom Verzicht und von der Mühsal zuhört. Aber irgendwann und irgendwo muss man ja mal anfangen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-3010191091563749963?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/3010191091563749963/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=3010191091563749963' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3010191091563749963'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3010191091563749963'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/06/zurck-zu-den-graswurzeln.html' title='Zurück zu den Graswurzeln'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-3342683842824971594</id><published>2007-05-07T12:22:00.000+01:00</published><updated>2007-10-17T22:36:47.891+01:00</updated><title type='text'>Erdöl: Ist das Fördermaximum bereits erreicht?</title><content type='html'>&lt;p&gt;In den letzten Wochen und Monaten starrt alle Welt wie hypnotisiert auf den IPCC-Klimabericht und die drohende Erderwärmung. Die Deutschen wollen plötzlich ein Tempolimit auf der Autobahn akzeptieren, die Bundeskanzlerin hat Angst vor &lt;a href="http://www.bundeskanzlerin.de/nn_5296/Content/DE/Rede/2007/02/2007-02-10-rede-merkel-muenchner-sicherheitspolitik.html" target="_blank"&gt;„Flüchtlingsströmen und kriegerischen Auseinandersetzungen“&lt;/a&gt;, Jacques Chirac fordert eine Klima-UNO, der Mann im Weißen Haus will den Tiger im Tank mit Äthanol vermischen, und nach Thailand fliegen soll man in Zukunft auch nicht mehr. (Meine Kinder werden wohl als Schiffsjungen auf einem der geplanten neuen &lt;a href="http://www.skysails.info/" target="_blank"&gt;Frachtsegler&lt;/a&gt; anheuern müssen, wenn sie die Welt kennenlernen möchten...) Unterdessen bahnen sich in aller Stille tektonische Umwälzungen einer ganz anderen Art an, deren Auswirkungen das Thema Klimawandel schon in wenigen Jahren in die zweite Reihe verbannen könnten: Wenn wir Pech haben, befindet sich die Welt-Ölförderung den aktuellsten Daten zufolge bereits auf ihrem von vielen Seiten erst für 2010-2020 vorhergesagten historischen Gipfelpunkt. Und wenn wir noch mehr Pech haben, bedeutet dies nichts anderes, als dass wir endgültig an die vor dreißig Jahren prophezeiten „Grenzen des Wachstums“ stoßen, und zwar wesentlich früher und wesentlich unvorbereiteter, als uns lieb sein kann.&lt;/p&gt; &lt;b&gt;Geologen contra Ölindustrie&lt;/b&gt; &lt;p&gt;Um Existenz und Zeitpunkt des globalen Ölfördermaximums, auf Neudeutsch auch „Peak-Oil“ genannt, streiten sich seit über zehn Jahren offizielle Vertreter der Ölindustrie und Analysten wie der „Ölpapst“ &lt;a href="https://www.spiegel.de/spiegelspecial/0,1518,427132,00.html" target="_blank"&gt;Daniel Yergin&lt;/a&gt; auf der einen Seite mit unabhängigen Geologen wie &lt;a href="https://aspo-ireland.org/" target="_blank"&gt;Colin Campbell&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.princeton.edu/hubbert/" target="_blank"&gt;Kenneth Deffeyes&lt;/a&gt;, den Autoren &lt;a href="http://www.richardheinberg.com/" target="_blank"&gt;Richard Heinberg&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.kunstler.com/" target="_blank"&gt;James Howard Kunstler&lt;/a&gt; oder dem Öl-Investmentbanker &lt;a href="http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/521329.html" target="_blank"&gt;Matthew Simmons&lt;/a&gt; auf der anderen Seite. Während Yergins Beratungsunternehmen &lt;a href="http://www.cera.com/aspx/cda/public1/home/home.aspx" target="_blank"&gt;CERA&lt;/a&gt; und dessen Chefgeologe Peter Jackson die Parole „Don't worry, be happy!“ ausgeben und auf steigende Reservenzahlen sowie die rasche Verfügbarkeit von unkonventionellen Vorkommen wie Tiefseeöl oder kanadischen Ölsanden bauen, sieht die Gegenseite die geologischen und technischen Gegebenheiten pessimistischer. Dabei berufen sich die „Peak Oilers“ auf die Arbeiten des US-Geophysikers M. King Hubbert, der in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Ölfördermaximum für die kontinentalen USA korrekt auf 1971 datierte (und sich seinerzeit nicht weniger heftigen Schmähungen als heute Campbell oder Deffeyes ausgesetzt sah).&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das Hubberts Ansatz zugrunde liegende Prinzip ist einfach zu verstehen: Im Gegensatz zum Konzept der „statischen Reichweite“ (die bekannten Erdölreserven würden bei gleichbleibender Verbrauchshöhe noch gut 40 Jahre reichen, siehe z. B. &lt;a href="http://www.deutschebp.de/liveassets/bp_internet/germany/STAGING/home_assets/assets/deutsche_bp/broschueren/de_oil_section_2006.pdf" target="_blank"&gt;BP-Weltenergiebericht&lt;/a&gt;), das eine linear gleichbleibende oder stetig ansteigende Erdölförderung bis zu ihrem plötzlichen Ende suggeriert, folgt die Produktion bei großen Feldern oder ganzen Förderregionen über die Zeit einer Art gaußschen Normalverteilung mit ihrer typischen Glockenkurve. Die Fördermenge steigt zunächst an, erreicht dann ihr Maximum (den „Peak“) und fällt schließlich langsam wieder ab, weil in der Regel das einfach zu erschließende Öl in den großen Feldern zuerst gefunden wird, die verbleibende zweite Hälfte in den kleineren Restfeldern einen höheren technischen und logistischen Förderaufwand erfordert und die Förderrate aufgrund prinzipieller geologischer Beschränkungen schließlich auch mit den größten technischen Anstrengungen nicht mehr vor dem Absinken bewahrt werden kann. Umstritten ist, ob dies auch für die gesamte Weltförderung gilt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Yergin und CERA behaupten, statt eines Maximums wäre ein „wellenförmiges Förderplateau auf hohem Niveau bis 2052“ zu erwarten; die Peak-Oil-Aktivisten kontern mit geduldigen Aufaddierungen aller bekannten Fundstätten, dem Vergleich von Aufschlussbohrungen mit Neufundzahlen sowie ausgeklügelten statistischen Methoden zur Abschätzung des jeweiligen Förderpotenzials (näheres dazu auf deutsch siehe &lt;a href="http://www.wolfatthedoor.org.uk/deutsch" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;). Die Ergebnisse sind immer gleich niederschmetternd: Irgendwann bis etwa 2020 werden die Neuerschließungen die sinkenden Förderraten der älteren Quellen nicht mehr wettmachen können, und dann kann keine Macht der Welt mehr unseren wachsenden Energiehunger durch eine Erhöhung der Erdölförderung befriedigen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dass über das Thema überhaupt diskutiert werden muss, liegt an der restriktiven Informationspolitik der Ölscheichs: Ausgerechnet der Schlüsselproduzent Saudi-Arabien, das Land mit den höchsten gemeldeten Reserven, behandelt Produktions- und Reservendaten als Staatsgeheimnis, und spätestens seit Matt Simmons' Bestseller von 2005, „&lt;a href="http://www.amazon.de/Twilight-Desert-Coming-Saudi-Economy/dp/047173876X" target="_blank"&gt;Twilight in The Desert&lt;/a&gt;“, in dem der Brancheninsider ein baldiges Absinken der saudischen Fördermenge vorhersagte, nimmt die Beobachtung der nahöstlichen Ölproduktion den Stellenwert ein, den früher die Kreml-Astrologie hatte – kommt noch was, oder kommt nichts mehr? In jedem Fall entsprechen die offiziellen Reservenzahlen vermutlich keines einzigen OPEC-Landes der Realität, weil die Organisation Mitte der 80er Jahre beschloss, ihren Mitgliedern Förderquoten auf der Grundlage von Reservenmengen zuzuweisen, weswegen es plötzlich im Laufe weniger Jahre bei allen zu einem mysteriösen &lt;a href="http://wolf.readinglitho.co.uk/deutsch/dpages/dreserves.html#fiddle" target="_blank"&gt;Hochschnellen&lt;/a&gt; der gemeldeten Zahlen kam, ohne dass entsprechende Explorationsaktivitäten zu verzeichnen gewesen wären. Diese Zahlen aber sind es, die etwa der BP-Weltenergiebericht aufführt, und mit diesen Zahlen hält auch Saudi-Arabien die Behauptung aufrecht, seine Ölproduktion problemlos innerhalb kürzester Zeit von derzeit knapp neun auf zwölf oder noch mehr Megabarrel pro Tag steigern zu können. Leider lässt es seinen Worten keine Taten folgen, obwohl dies bei einem Ölpreis von derzeit &lt;a href="http://www.rte.ie/business/2007/0413/oil.html" target="_blank"&gt;fast 70 US-Dollar pro Barrel&lt;/a&gt; (Anfang April 2007) dringend nötig wäre.&lt;/p&gt; &lt;b&gt;Die aktuellen Daten&lt;/b&gt; &lt;p&gt;Seit kurzem liegen nun die von der Energy Information Administration, einer Unterabteilung des US-Energieministeriums, veröffentlichten &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/ipsr/t11d.xls" target="_blank"&gt;Erdöl-Produktionszahlen&lt;/a&gt; (xls-Tabelle, darin Links zu weiteren Tabellen) bis einschließlich 2006 vor. Danach haben viele wichtige Ölförderregionen und -länder in den letzten Jahren offenbar ihr Produktionsmaximum erreicht. Für Venezuela war dies etwa 1999 der Fall, für die Nordsee 2001, für Mexiko und Iran 2004 (was ein etwas anderes Licht auf das iranische Atomprogramm wirft!) und für die OPEC insgesamt im September 2005. Die höchste weltweit erzielte Fördermenge für Rohöl plus Erdgaskondensat waren 74,15 Megabarrel pro Tag im Mai 2005. Dies entspricht in etwa den Vorhersagen von Colin Campbell, dessen &lt;a href="https://aspo-ireland.org/newsletter/en/htm/Newsletter75.htm" target="_blank"&gt;aktuellste Modelle&lt;/a&gt; das Fördermaximum für konventionelles Öl im Jahr 2005 und für flüssige Kohlenwasserstoffe insgesamt im Jahr 2010 ansiedeln.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Auch die &lt;a href="http://www.theoildrum.com/node/2331" target="_blank"&gt;neuesten Entwicklungen bei Saudi-Arabien&lt;/a&gt; geben eher wenig Anlass zu Hoffnung: Die dortige Produktion ging 2006 um durchschnittlich 8 Prozent zurück, obwohl sich die Anzahl der im Land eingesetzten Bohrtürme seit 2004 verdreifacht hat. Entweder die Saudis horten also irgendwo Öl, um damit zu einem günstigen Zeitpunkt den Markt zu überschwemmen, oder sie produzieren tatsächlich hart an ihrer Kapazitätsgrenze und können trotz vermehrter Explorationsbohrungen den im &lt;a href="http://lists.ibiblio.org/pipermail/tcrp-news/2006-April/000019.html" target="_blank"&gt;April 2006 gemeldeten Rückgang&lt;/a&gt; ihrer älteren Felder nicht wie behauptet durch Neuförderung ersetzen. Der Rückgang ist umso erstaunlicher, als die Rohölpreise trotz des leichten Absackens von den im Juli 2006 erreichten Spitzenwerten immer noch weit über den Werten von 2005 liegen, sodass Saudi-Arabien eigentlich keinen Grund hätte, seine angeblich vorhandenen Zusatzkapazitäten nicht auch zu nutzen, um damit den Preis – wie früher oftmals geschehen – auf einem weltwirtschaftlich verträglichen Niveau zu halten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mit Vorsicht zu genießen sind auch die „freiwilligen Produktionsbeschränkungen“, die von der OPEC im Herbst 2006 verkündet wurden, angeblich aus Gründen der „Preisstützung“: Im Falle der Saudis ist für diesen Zeitraum bei den gemeldeten Förderzahlen kein auffällig stärkerer Rückgang zu erkennen, und laut aktuellen Zahlen der in Paris ansässigen International Energy Agency (IEA) ist die gesamte OPEC-Förderung &lt;a href="http://omrpublic.iea.org/" target="_blank"&gt;weiter zurückgegangen&lt;/a&gt;, obwohl der extrem kalte Frühling in den USA zu erhöhtem Bedarf geführt hat. Die IEA hat sogar eine &lt;a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=41cb89b02877c259978ba4c2b7998290&amp;amp;em_cnt=1113789" target="_blank"&gt;Warnmeldung&lt;/a&gt; ausgegeben, weil momentan in den OECD-Verbraucherländern die Lagervorräte abnehmen, die normalerweise in den nach Ende des Winters rasch wieder aufgefüllt werden, um dem erhöhten Treibstoffverbrauch im Sommer vorzubeugen. Kommentatoren befürchten inzwischen, dass der Ölpreis in ein paar Monaten noch &lt;a href="http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601109&amp;amp;sid=afOlUzd30YOo&amp;amp;refer=news" target="_blank"&gt;weiter in die Höhe schnellt&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Warum sieht die OPEC überhaupt die Notwendigkeit, den Barrel-Preis über 50 Dollar zu halten, wenn vor nur drei Jahren, als der Barrel-Preis bei 35 Dollar lag, alles getan wurde, um ihn in das „&lt;a href="http://www.faz.net/s/RubC8BA5576CDEE4A05AF8DFEC92E288D64/Doc%7EEE1421578F6504CE5BF048DAA17077EAB%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank"&gt;Preisband von 22 bis 28 Dollar&lt;/a&gt;“ zurückzuholen? Ein unlängst erschienener &lt;a href="http://www.mckinseyquarterly.com/article_page.aspx?ar=1902&amp;amp;L2=7&amp;amp;L3=8&amp;amp;srid=17&amp;amp;gp=0" target="_blank"&gt;Bericht von McKinsey Quarterly,&lt;/a&gt; dem Informationsdienst des Consulting-Riesen, beleuchtet die wahrscheinlichen Hintergründe der geänderten Preispolitik: Da in allen Golfstaaten entgegen den offiziellen Verlautbarungen eben doch ein Ende der Erdölvorräte – und damit des mühelosen Geldscheffelns – abzusehen ist, die gesamte Region aber von hoher Arbeitslosigkeit, aufgeblähten Staatsbürokratien und mangelnder wirtschaftlicher Diversifizierung geplagt wird, ist es in strategischer Hinsicht jetzt sinnvoller, den Ölpreis kurz- und mittelfristig hochzuhalten, um die Gewinne zu maximieren und die damit erwirtschafteten Mittel in den langfristigen Umbau der volkswirtschaftlichen Basis weg von fossilen Energieträgern zu investieren. Damit haben Saudi-Arabien und die anderen Golfanrainer mehr oder weniger ihr seit den Tagen Ronald Reagans geltendes Gentleman's Agreement mit den USA gekündigt und das Zeitalter des billigen Öls beendet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Fernab vom Nahen Osten beweist Cantarell, das von Mexiko betriebene größte marine Ölfeld der Welt, dass verbesserte Fördermethoden nicht nur zu einer Erhöhung der Fördermenge, sondern auch zu einer schnelleren Erschöpfung der Felder führen, zeigte es doch statt des für 2006 vorhergesagten Förderrückgangs von sechs Prozent eine tatsächliche &lt;a href="http://www.upstreamonline.com/live/article127083.ece" target="_blank"&gt;Abnahme um satte 25 Prozent&lt;/a&gt;. Wegen des zurückgehenden Eigendrucks wird dort seit einigen Jahren (mit &lt;a href="http://www.abb.de/cawp/seitp202/0e87e0de05a12288c125701a004e47ef.aspx" target="_blank"&gt;deutscher Technik&lt;/a&gt;) Stickstoff eingepresst, was kurzfristig eine Verdopplung der Fördermenge ermöglichte, jetzt aber offenbar ein umso stärkeres Absinken zur Folge hat. Auch die Fördermenge in der Nordsee zeigt ein schnelleres Absinken als erwartet (&lt;a href="http://www.ft.com/cms/s/2c6bc00c-bb17-11db-bbf3-0000779e2340.html" target="_blank"&gt;2006 um 9 Prozent&lt;/a&gt;), und das zweitgrößte Ölfeld der Welt, Burgan in Kuwait, produziert mittlerweile &lt;a href="http://www.energybulletin.net/10878.html" target="_blank"&gt;15 Prozent unter den langfristig erwarteten Zahlen&lt;/a&gt;, sodass man insgesamt befürchten muss, dass die älteren „Elefantenfelder“ in den nächsten Jahren schneller ihrer Erschöpfung entgegen eilen werden als von optimistischen Branchenprognosen erwartet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Für die Welt sind dies schlechte Nachrichten: Falls in den nächsten Jahren kein dramatischer Umschwung bei den Produktionszahlen mehr auftritt und den Trend wieder umkehrt (und nichts deutet darauf hin als das Wunschdenken von Ölmanagern und Milchmädchen-Ökonomen), dann haben wir das globale Fördermaximum für Erdöl bereits überschritten und müssen uns für die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht auf ein sofortiges Versiegen, aber doch auf eine immer stärkere Verknappung dieses „Schmiermittels der Weltkonjunktur“ einstellen.&lt;/p&gt; &lt;b&gt;Deutschland im Tiefschlaf  &lt;/b&gt; &lt;p&gt;In der englischsprachigen Welt gibt es inzwischen eine vollkommen neue Umweltbewegung, die sich neben den „klassischen“ Themen wie Klimawandel, zunehmender Bodenerosion oder dem Verschwinden der Regenwälder zunehmend auf die erwarteten Auswirkungen des Ölfördermaximums konzentriert. Autoren wie Kunstler oder Heinberg reden hartnäckig gegen das öffentliche Desinteresse an, und gerade in den USA mit ihrer Infrastruktur aus endlos zersiedelten Vorstädten, Gewerbegebieten und Shopping-Malls, deren Weiterbestehen ohne billiges Öl gar nicht vorstellbar ist, finden sie damit inzwischen erstaunlich viel Gehör. Ihre Bücher sind Bestseller, und eine Vielzahl von Blogs und Newsfeeds wie &lt;a href="http://www.energybulletin.net/" target="_blank"&gt;Energy Bulletin&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://casaubonsbook.blogspot.com/" target="_blank"&gt;Casaubon's Book&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.theoildrum.com/" target="_blank"&gt;The Oil Drum&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.peakoil.com/" target="_blank"&gt;Peakoil News &amp;amp; Message Boards&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://globalpublicmedia.com/" target="_blank"&gt;Global Public Media&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://anthropik.com/" target="_blank"&gt;Anthropik&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://resourceinsights.blogspot.com/" target="_blank"&gt;Resource Insights&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://lifeaftertheoilcrash.net/" target="_blank"&gt;Life after The Oil Crash&lt;/a&gt; beschäftigt sich mit den Folgen der kommenden Ölknappheit. Aber auch in Großbritannien ist der Widerhall relativ groß: Im Rahmen des „&lt;a href="http://transitiontowns.org/" target="_blank"&gt;Transition Town Movement&lt;/a&gt;“ proben einzelne Städte bereits den Übergang in eine postfossile, „relokalisierte“ Wirtschaft, und mit der „&lt;a href="http://www.soilassociation.org/web/sa/saweb.nsf/GetInvolved/peakoil.html" target="_blank"&gt;Soil Association&lt;/a&gt;“ hat die erste europäische Biolandwirtschaftsorganisation das Ölfördermaximum zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;In Deutschland bleiben Öffentlichkeit und Politik derweil auf Tauchstation: Obwohl auch das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover das Fördermaximum „&lt;a href="http://www.g-o.de/index.php?cmd=aws_basics&amp;amp;id=5454" target="_blank"&gt;zwischen 2015 und 2020&lt;/a&gt;“ ansiedelt, einzelne Bücher von Heinberg und Campell übersetzt wurden, und vor kurzem Bestsellerautor Andreas Eschbach mit „&lt;a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785722745/kontaktlinsen-21" target="_blank"&gt;Ausgebrannt&lt;/a&gt;“ (Rezensionen &lt;a href="http://www.taz.de/dx/2007/04/14/a0033.nf/text" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=3487" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;) eine Thriller-Version des Themas auf den Markt gebracht hat, träumt man hierzulande immer noch vom zukünftigen Wasserstoff-Utopia, schwört auf die sowjetische Theorie der „&lt;a href="http://www.freitag.de/2006/10/06100602.php" target="_blank"&gt;abiotischen Ölentstehung&lt;/a&gt;“ oder hofft auf die freie Fahrt für freie Bürger mit Biodiesel oder Flüssigkohle. Noch schlimmer die Energiewirtschaft: &lt;a href="http://www.eon-energie.com/pages/eea_de/E.ON_Energie/Kampagnen/Kinderfragen/Motiv_3/index.htm" target="_blank"&gt;&lt;i&gt;Wieviel warmes Wasser ist noch im Hahn?&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; fragt uns etwa der Stromkonzern E.ON und verspricht uns im selben Atemzug das Perpetuum Mobile: „Energie für immer. Und jeden Tag“ – wahrscheinlich glauben die Verantwortlichen selbst daran. Ein kürzlich in der Financial Times Deutschland erschienener &lt;a href="http://www.ftd.de/politik/international/168027.html" target="_blank"&gt;Artikel&lt;/a&gt; ist ein Paradebeispiel für die verbreitete Ahnungslosigkeit: Der Autor reduziert die komplexe Frage des Fördermaximums auf ein baldiges „Versiegen“ (Unfug), er glaubt, Leute wie Campbell und Simmons würden nur „Panikmache“ betreiben, weil der Ölpreis letzten Sommer so hoch war (heilige Einfalt!), dass Hubbert mit dem US-Maximum recht behielt, erwähnt er zur Sicherheit gar nicht, und mit den geologischen Grundlagen hat er erst recht nichts am Hut. Das mit der statischen Reichweite von 40 Jahren muss ja langen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dabei lautet die entscheidende Frage eben nicht, wie viele Ölreserven noch da sind, und sei es im grönländischen Eis, im Tiefseeboden, in Ölsand- und Ölschiefervorkommen, in Form von verflüssigten Kohle- und Erdgasvorräten oder als ständig in der Erdkruste neu entstehende „abiotische“ Kohlenwasserstoffe. Wesentlich ist vielmehr, wie schnell und zu welchem Preis man diese Reserven bzw. Neubildungen ausbeuten kann, um damit den Rückgang der konventionellen Förderung auszugleichen und dem steigenden Bedarf in Ländern wie Indien oder China zu begegnen. Aus den kanadischen Ölsanden wird derzeit beispielsweise circa ein Megabarrel synthetisches Öl pro Tag erzeugt, bis 2020 erwarten Optimisten einen Anstieg auf &lt;a href="http://canada.theoildrum.com/story/2006/10/20/142436/03" target="_blank"&gt;um die drei Megabarrel pro Tag&lt;/a&gt; (die Produktion ist unter anderem durch die verfügbare Wassermenge begrenzt). Zum Vergleich: Die oben erwähnten Elefantenfelder Burgan und Cantarell produzierten auf ihrem Gipfelpunkt jeweils um die zwei Megabarrel pro Tag; wenn ihr Förderrückgang mit dem bisherigen Tempo weitergeht, werden sie 2020 nur noch so wenig Öl liefern, dass der Anstieg bei den Ölsanden nicht einmal diesen Verlust ausgleichen kann. Da dies in Bezug auf die Gesamtförderung für alle anderen „exotischen“ Arten der Ölgewinnung wegen des enormen Kapitalaufwands, der langen Vorlaufzeiten für Investitionen und der extremen technischen Anforderungen ebenso gilt, sollte man von dieser Seite keine Wunder erwarten. Wenn die Welt-Förderkurve langsam auf ihre absteigende Seite wechselt, werden die Ölingenieure und Geologen alles versuchen, auch noch den letzten Tropfen aus den vorhandenen Reservoiren zu pressen und so viele neue Quellen wie möglich zu erschließen, aber letztendlich wird das nur zu einer Verzögerung des Rückgangs führen, nicht zu einem erneuten Anstieg.&lt;/p&gt; &lt;b&gt;Konvergierende Dilemmata&lt;/b&gt; &lt;p&gt;Die Gefahr bei den möglichen Reaktionen auf eine weltweit zurückgehende Ölförderung – und damit schließt sich der Kreis zum eingangs erwähnten Angstthema Erderwärmung – liegt in der potenziell klimaschädlichen Wirkung synthetischer Kohlenwasserstoffe, die jene des konventionellen Öls oftmals weit übertrifft. So sind etwa für die Umwandlung von Ölsanden in „Ölersatz“ enorme Mengen an Wasser und Hitze erforderlich, die bei den Vorkommen in der kanadischen Provinz Alberta aus den örtlichen Trinkwasservorräten und Erdgasquellen gewonnen werden. Die vier Barrel Abwässer pro Barrel gewonnenem Treibstoff verseuchen die borealen Ökosysteme, aber noch weitaus schlimmer sind die &lt;a href="http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&amp;amp;cpsidt=15294930" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;90 bis 160 Kilogramm Kohlendioxid&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;,&lt;/span&gt; die beim Produktionsprozess pro Tonne anfallen – noch zusätzlich zu den 400 Kilogramm Treibhausgas, die bei der Verbrennung des Treibstoffs ohnehin entstehen. Bei der Kohleverflüssigung ist es noch schlimmer: Pro Tonne des gewonnenen synthetischen Treibstoffs sind &lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub58F0CED852D8491CB25EDD10B71DB86F/Doc%7EE643513048CC54E28BD09BF01E1C29D7C%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank"&gt;zwei Tonnen Kohle als Ausgangsstoff erforderlich&lt;/a&gt;, und die zweite Tonne endet letzlich ohne weiteren Nutzen als „Extra-Kohlendioxid“. Je mehr Öl wir aus qualitativ minderwertigen Ausgangsstoffen oder durch synthetische Prozesse erzeugen, desto mehr zusätzliches Treibhausgas fällt dabei an.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die entsprechenden technischen Großprojekte sind nicht etwa Zukunftsmusik, sondern befinden sich bereits in der Planungs- oder sogar Umsetzungsphase. Der südafrikanische Sasol-Konzern wird beispielsweise 2007 zwei Pilotanlagen für die Kohleverflüssigung in &lt;a href="http://www.bfai.de/fdb-SE,MKT20061120111129,Google.html" target="_blank"&gt;China&lt;/a&gt; errichten, außerdem gibt es entsprechende Planungen für den US-Bundesstaat &lt;a href="http://governor.mt.gov/news/pr.asp?ID=387" target="_blank"&gt;Montana&lt;/a&gt; und für &lt;a href="http://timesofindia.indiatimes.com/articleshow/1758412.cms" target="_blank"&gt;Indien&lt;/a&gt;. In Venezuela und Kanada geht man derweil&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; mit Hochdruck&lt;/span&gt; daran, die Ausbeutung der Schweröl- und Ölsandvorkommen zu forcieren. Kanada hat wegen der Ölsandgewinnung nicht nur seine Kyoto-Reduzierungsziele nicht erreicht, die nationale Kohlendioxidemissionen sind sogar seit 1990 &lt;a href="http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=101038%09&amp;amp;IDC=9" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;um 27 % gestiegen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;. Nicht zu vergessen die Stromerzeugung: In den USA gibt es bereits &lt;a href="http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/636811.html" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Planungen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;, &lt;/span&gt;die Kraftwerke, die dort hauptsächlich mit Erdgas betrieben werden, wegen der hohen Preise (der Erdgas-Hauptlieferant Kanada hat Lieferprobleme wegen des steigenden Eigenbedarfs für die Ölsandgewinnung) wieder auf Kohle umzurüsten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das auch „Bio“-Treibstoffe das Problem letztendlich nicht lösen können, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Zunächst einmal muss auch für die Herstellung von beispielsweise einem Liter Biodiesel &lt;a href="http://poel-tec.ipmac.de/kraftstoff/vergleich.php" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;über ein halber Liter Treibstoff zusätzlich&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; v&lt;/span&gt;erbrannt werden und erzeugt weiterhin Kohlendioxid, das nicht vorher in der Biomasse gespeichert wurde. Außerdem ließen sich ohnehin nur wenige Prozent des Weltverbrauchs an flüssigen Kohlenwasserstoffen durch Energiepflanzen ersetzen, weil der Wirkungsgrad der Umsetzung von Sonnenenergie über Pflanzenzucker in synthetische Kohlenwasserstoffe (der &lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;„&lt;/span&gt;&lt;a href="http://wolf.readinglitho.co.uk/deutsch/dpages/djargon.html" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Erntefaktor&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;“) wegen der geringen Energiedichte des Ausgangsstoffs &lt;/span&gt;außerhalb der Tropen extrem gering ist und auf der ohnehin überbevölkerten Erde bei weitem nicht genügend Anbauflächen vorhanden sind, auf denen man Energiepflanzen ziehen könnte, ohne die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu gefährden. Auch auf hier sind die ersten Anzeichen einer Krise nicht zu übersehen: Im Februar kam es Mexiko zu den sogenannten „&lt;a href="http://www.welt.de/data/2007/02/05/1200861.html" target="_blank"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Tortilla-Unruhen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;“, die von vielen deutschen Medien mit der üblichen Überheblichkeit unter der Rubrik Sombrero-Folklore abgehandelt wurden, dabei handelte es sich in Wirklich um eine Reaktion auf die zunehmende Produktion von Äthanol aus Mais. Seit der Einrichtung der Freihandelszone NAFTA ist Mexiko abhängig von US-amerikanischen Maisimporten (die hochsubventionierten US-Farmer produzieren billiger als mexikanische Kleinbauern), derzeit gehen aber bereits &lt;a href="http://www.businessweek.com/magazine/content/07_06/b4020093.htm?chan=top+news_top+news+index_top+story" target="_blank"&gt;ein Fünftel der Maisernte&lt;/a&gt; in den Staaten in die Äthanolproduktion, sodass bei verknapptem Angebot die Preise steigen und die Ärmsten der Armen sich kein Maismehl mehr leisten können. (Näheres dazu siehe auch &lt;a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25050/1.html" target="_blank"&gt;hier&lt;/a&gt;.)&lt;/p&gt; &lt;b&gt;Fünf nach zwölf?&lt;/b&gt; &lt;p&gt;In einem 2005 für das US-Energieministerium erstellten Bericht über die Folgen des Ölfördermaximums (dem bekannten „&lt;a href="http://www.netl.doe.gov/publications/others/pdf/Oil_Peaking_NETL.pdf" target="_blank"&gt;Hirsch-Report&lt;/a&gt;“) heißt es: „Wenn mit einem Crash-Programm zur Bekämpfung des Ölfördermaximums gewartet wird, bis das Maximum erreicht ist, würde dies  bedeuten, dass die Welt zwei Jahrzehnte lang unter einen erheblichen Mangel an Flüssigtreibstoffen zu leiden hätte. Wird das Crash-Programm 10 Jahre vor Erreichen des Maximums initiiert, wären immer noch zehn Jahre Treibstoffmangel zu erwarten. Beginnt man mit dem Crash-Programm 20 Jahre vor dem Maximum, scheint es möglich sein, Ausfälle der Flüssigtreibstoffversorgung für den Prognosezeitraum zu vermeiden. [...] Falls die Gegenmaßnahmen nicht ausreichend sind bzw. zu spät kommen, würde sich ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage durch massiven Nachfragewegfall (Verknappung) einstellen, mit anderen Worten, es käme zu erheblicher wirtschaftlicher Not.“&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Da ein derartiges Crash-Programm in den derzeitigen Regierungen der Welt nicht einmal angedacht ist, müssen wir weiterhin hoffen, dass die aktuellen Daten zur Welt-Ölförderung nur kurzfristige Schwankungen wiedergeben, keine langfristigen Trends. Andernfalls sind zwanzig Jahre Knappheit an flüssigen Treibstoffen noch das kleinste der Übel, das uns erwartet.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-3342683842824971594?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/3342683842824971594/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=3342683842824971594' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3342683842824971594'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3342683842824971594'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/05/erdl-ist-das-frdermaximum-bereits_07.html' title='Erdöl: Ist das Fördermaximum bereits erreicht?'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-3981827989459587936</id><published>2007-03-06T16:49:00.000+01:00</published><updated>2007-10-17T22:38:21.788+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Klimawandel'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ölfördermaximum'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peak Oil'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Treibhauseffekt'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Alternative Energien'/><title type='text'>Der Teufel dreht den Hahn ab, Beelzebub heizt ein</title><content type='html'>&lt;b&gt;Die Welt in der Klemme zwischen abnehmenden Ölreserven und globaler Erwärmung  &lt;/b&gt; &lt;p style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zwei Nachrichten verbreiteten sich Ende vergangener Woche über die weltweiten Medienkanäle, die man in einigen Jahren vermutlich mit Fug und Recht als historisch bezeichnen wird: Zum einen veröffentlichte – unter größter Anteilnahme der Öffentlichkeit – der Zwischenstaatliche Ausschuss für Fragen der Klimaänderung (&lt;a href="http://www.ipcc.ch/"&gt;IPCC&lt;/a&gt;) seinen lange erwarteten &lt;a href="http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/selected_topics/klimawandel/ipcc_bericht_2007/summary/"&gt;vierten Bericht&lt;/a&gt; über den aktuellen Wissensstand bezüglich des menschengemachten  Treibhauseffekt. Die neuen Daten sind um einiges pessimistischer als die des letzten IPCC-Berichts von 2001, und es scheint, dass wir uns bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf eine globale Erwärmung von um die 3 Grad Celsius und einen Anstieg des Meeresspiegels von etwa einem halben Meter einzustellen haben.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Einige Wissenschaftler, wie James Lovelock, der Erfinder der „&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gaia-Hypothese"&gt;Gaia-Hypothese&lt;/a&gt;“, gehen sogar noch weiter und phrophezeien ein bald bevorstehendes, &lt;a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21809/1.html"&gt;sprunghaftes Hochdrehen der irdischen  Klimamaschine&lt;/a&gt; &lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;durch Rückkopplungseffekte wie die&lt;/span&gt; Freisetzung des im arktischen Permafrostboden gebundenen Methans und das Abschmelzen des arktischen Eises. Nach dem daraus folgenden, katastrophischen Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter wären nur noch die subarktischen und kühlen Zonen für Menschen bewohnbar, und wir müssten mit einem ungeheueren, nicht vorstellbaren Massensterben rechnen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mit wesentlich weniger Echo in den konventionellen Medien, dafür umso größerem Widerhall in der Blogosphäre, verkündete der texanische Öl-Investmentbanker und Branchenguru &lt;a href="http://www.simmons.org/"&gt;Matthew Simmons&lt;/a&gt; in einem Beitrag für den Wirtschaftsinformationsdienst &lt;a href="http://www.bloomberg.com/"&gt;Bloomberg&lt;/a&gt; (Video auf &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=4IwtAQzrfiw"&gt;Youtube&lt;/a&gt; verfügbar), dass die Welt offenbar das von vielen Geologen vorhergesagte &lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;absolute&lt;/span&gt; &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lf%C3%B6rdermaximum"&gt;Fördermaximum&lt;/a&gt; für konventionelles Öl bereits erreicht hat. Die höchste jemals erzielte Produktionszahl waren gut &lt;a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/ipsr/t11c.xls"&gt;74 Megabarrel pro Tag im Mai 2005&lt;/a&gt;, seitdem tändelt die Förderhöhe um 73,5&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; Gigabarrell&lt;/span&gt; herum, obwohl weder eine Wirtschaftskrise noch ein größerer militärischer Konflikt oder Terroranschlag für das fehlende Wachstum verantwortlich gemacht werden können.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Falls Simmons (und andere „Peak Oilers“ wie &lt;a href="http://www.princeton.edu/hubbert/current-events.html"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Kenneth S. Deffeyes&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; &lt;/span&gt;oder &lt;a href="http://www.peakoil.net/"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Colin Campell&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;) recht haben, hat das weiterhin zu erwartende Absinken der Fördermenge gravierendste Folgen für die Zukunft der Industriegesellschaft: Es gibt keinen Bereich unseres täglichen Lebens, in dem wir nicht in irgendeiner Form Erdölderivate nutzen, seien es die Plastiktüte an der Supermarktkasse, der Tiger im Tank, die Pillen gegen Bluthochdruck oder die Pestizide, mit denen konventionell angebauter Feldsalat von Käfern und Läusen befreit wird. Eine Verknappung des Angebots wird mittelfristig notwendigerweise zu einer massiven Erhöhung der Preise führen, und am Ende droht womöglich weit Schlimmeres als nur Heizölrationierungen und autofreie Sonntage.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zunächst scheint es, als ob die zweite Nachricht im Vergleich zu den deprimierenden Aussichten der ersten vergleichsweise lindernde Wirkung hat: Wenn wir weniger Öl verbrennen können, gelangt weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre, und der Treibhauseffekt wird gebremst. Wunderbar...! – Unglücklicherweise ist Öl in Wirklichkeit nicht etwa ein wertneutraler „Rohstoff“, sondern die härteste aller Drogen, und Junkies pflegen in der Regel keine durchdachten und weitblickenden Entscheidungen zu treffen. Eher ist eine Reaktion zu erwarten, die auf der gewohnten, rein marktwirtschaftlichen Logik basiert: Wenn konventionelles Öl teuer wird, lohnt es sich zunehmend, unkonventionelle Vorkommen wie Ölschiefer, Ölsande, Tiefseeöl oder Schwerstöl auszubeuten bzw. Biosprit aus Rapsöl, Palmöl, Zuckerrohr oder sonstiger Biomasse zu gewinnen oder sogar an die im „Dritten Reich“ erstmals großindustriell genutzte Technik der Kohleverflüssigung anzuknüpfen, um einen reibungslosen weiteren Betrieb der Familienkutschen, Sportwägelchen und Brummis dieser Welt zu gewährleisten. Wie wahrscheinlich ist es, dass stattdessen alle Welt nur noch Zug fährt und Güter im Wesentlichen von Binnenschiffen transportiert werden? Die Antwort wissen Sie selbst.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Wenn wir aber dieser marktwirtschaftlichen Beelzebub-Logik folgen, werden Kyoto- und sonstige Protokolle endgültig zur Lachnummer: Für die Umwandlung von Ölsanden in synthetische  Kohlenwasserstoffe beispielsweise sind enorme Mengen an Wasser und Hitze erforderlich, die etwa bei den Vorkommen in der kanadische Provinz Alberta aus den örtlichen Trinkwasservorräten und Erdgasquellen gewonnen werden. Die vier Barrel Abwässer pro Barrel gewonnenem Treibstoff verseuchen die borealen Ökosysteme, aber noch weitaus schlimmer sind die &lt;a href="http://cat.inist.fr/?aModele=afficheN&amp;amp;cpsidt=15294930"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;90 bis 160 Kilogramm Kohlendioxid&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;,&lt;/span&gt; die beim Produktionsprozess pro Tonne anfallen – noch zusätzlich zu den 400 Kilogramm Treibhausgas, die bei der Verbrennung des Treibstoffs ohnehin entstehen! Bei der Kohleverflüssigung sieht es noch düsterer aus: Pro Tonne des gewonnenen synthetischen Treibstoffs sind &lt;a href="http://www.faz.net/s/Rub58F0CED852D8491CB25EDD10B71DB86F/Doc%7EE643513048CC54E28BD09BF01E1C29D7C%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html"&gt;zwei Tonnen Kohle als Ausgangsstoff erforderlich&lt;/a&gt;, und die zweite Tonne endet letzlich ohne weiteren Nutzen als „Extra-Kohlendioxid“. Je mehr Öl wir aus qualitativ minderwertigen Ausgangsstoffen oder durch synthetische Prozesse erzeugen, desto mehr zusätzliches Treibhausgas fällt dabei an.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Sie bezweifeln, dass man im großen Maßstab auf derartige vorsintflutliche Dreckschleuder-Techniken zurückgreifen wird? Man ist längst dabei. Der südafrikanische Sasol-Konzern, der in den langen Jahrzehnten der Apartheid durch Kohlehydrierungsanlagen nach Nazi-Vorbild für eine verlässliche Kraftstoffversorgung des Burenstaats sorgte, wird in diesem Jahr zwei Pilotanlagen in &lt;a href="http://www.bfai.de/fdb-SE,MKT20061120111129,Google.html"&gt;China&lt;/a&gt; errichten, außerdem gibt es entsprechende Planungen für den US-Bundesstaat &lt;a href="http://www.missoulanews.com/News/News.asp?no=515"&gt;Montana&lt;/a&gt; und für &lt;a href="http://timesofindia.indiatimes.com/articleshow/1758412.cms"&gt;Indien&lt;/a&gt;. In Venezuela und Kanada ist man derweil&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; mit Volldampf&lt;/span&gt; dabei, die Ausbeutung der Schweröl- und Ölsandvorkommen anzugehen. Kanada hat wegen der Ölsandgewinnung nicht nur seine Kyoto-Reduzierungsziele nicht erreicht, die nationale Kohlendioxidemissionen sind sogar seit 1990 &lt;a href="http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=101038%09&amp;amp;IDC=9"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;um 27 % gestiegen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;!&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Und vergessen wir nicht die Stromerzeugung: In den USA gibt es bereits &lt;a href="http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/636811.html"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Planungen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;, &lt;/span&gt;die Kraftwerke, die dort hauptsächlich mit Erdgas betrieben werden, wegen der hohen Preise (der Hauptlieferant Kanada hat Lieferprobleme wegen des steigenden Eigenbedarfs, siehe oben, Ölsande) wieder auf Kohle umzurüsten. Und in China werden ungefähr &lt;a href="http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/712862.html"&gt;ein bis zwei  kleine, regionale Kohlekraftwerke pro Woche&lt;/a&gt; gebaut, um mit Uralttechnik den steigenden Stromhunger der Fabriken, aus denen unsere billigen Haartrockner stammen, zu befriedigen. Sogar in Deutschland gibt es konkrete neue Projekte für die Klimaanheizer, beispielsweise in &lt;a href="http://www.taz.de/pt/2006/12/14/a0336.1/text"&gt;Hamburg und Bremen&lt;/a&gt;. Ob man das von diesen Kraftwerken erzeugte Kohlendioxid jemals per „Sequestrierung“ unteriridisch speichern können wird, steht vollkommen in den Sternen – ganz davon abgesehen, dass wir damit neben der Endlagerung des Atommülls eine weitere Wette auf die ferne Zukunft eingehen würden, deren Ausgang vollkommen unsicher ist. Wer weiß denn, ob das Treibhausgas nicht innerhalb langer Zeiträume aus den Speichern wieder ausdiffundiert und seine Klimawirkung locker bis ins nächste Jahrtausend hinein fortsetzt?&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Auch das Potenzial von Biotreibstoffen wird weit überschätzt: Zunächst einmal muss auch für die Herstellung eines Liters Biodiesel &lt;a href="http://poel-tec.ipmac.de/kraftstoff/vergleich.php"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;über ein halber Liter Treibstoff zusätzlich&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt; v&lt;/span&gt;erbrannt werden und erzeugt weiterhin Kohlendioxid, das nicht vorher in der Biomasse gespeichert wurde. Außerdem ließen sich ohnehin nur wenige Prozent unseres Verbrauchs an flüssigen Kohlenwasserstoffen durch Energiepflanzen ersetzen, weil der Wirkungsgrad der Umsetzung von Sonnenenergie über Pflanzenzucker in synthetische Kohlenwasserstoffe (der &lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;„&lt;/span&gt;&lt;a href="http://www.wolfatthedoor.org.uk/deutsch"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Erntefaktor&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;“) &lt;/span&gt;außerhalb der Tropen extrem gering ist und auf der ohnehin überbevölkerten Erde bei weitem nicht genügend Anbauflächen vorhanden sind, auf denen man Energiepflanzen ziehen könnte, ohne die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu gefährden. Auch auf diesem Weg sind wir schon weiter, als die meisten von uns ahnen: Letzten Monat kam es Mexiko zu den sogenannten „&lt;a href="http://www.welt.de/data/2007/02/05/1200861.html"&gt;&lt;span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"&gt;Tortilla-Unruhen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;“, die von vielen deutschen Medien mit der üblichen Überheblichkeit unter der Rubrik Sombrero-Folklore abgehandelt wurden, dabei handelte es sich in Wirklich um eine Reaktion auf die zunehmende Produktion von Äthanol aus Mais. Seit der Einrichtung der Freihandelszone NAFTA ist Mexiko abhängig von US-amerikanischen Maisimporten (die hochsubventionierten &lt;i&gt;Yanqui&lt;/i&gt;-Farmer produzieren billiger als mexikanische Kleinbauern), derzeit gehen aber bereits &lt;a href="http://www.businessweek.com/magazine/content/07_06/b4020093.htm?chan=top+news_top+news+index_top+story"&gt;ein Fünftel der Maisernte&lt;/a&gt; in den Staaten in die Äthanolproduktion, sodass bei verknapptem Angebot selbstverständlich die Preise steigen und die Leute aus den &lt;i&gt;Barrios&lt;/i&gt; sich kein Maismehl mehr leisten können. Da gleichzeitig auch noch Cantarell, das vor der mexikanischen Küste liegende größte Offshore-Ölfeld, der Welt, statt des für 2006 vorhergesagten Förderrückgangs von sechs Prozent eine tatsächliche &lt;a href="http://www.upstreamonline.com/live/article127083.ece"&gt;Abnahme um satte 25 Prozent&lt;/a&gt; zeigte und die mexikanische Öleinnahmen hauptsächlich zur Finanzierung des Staatshaushalts verwendet werden, dürfte hier in Kürze nach Argentinien der nächste Zusammenbruch einer Volkswirtschaft zu erwarten sein.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Derzeit beherrscht der Klimawandel die Schlagzeilen. Wenn wir es ernst meinen mit seiner Bekämpfung, müssen wir uns gleichzeitig um den Rückgang der fossilen Rohstoffe kümmern und endlich einsehen, dass unsere Industriegesellschaft in ihrer derzeiten Form nicht mehr zu retten ist. Wir müssen weltweit hin zu kleinräumigen Siedlungsstrukturen, regionalen Wirtschaftkreisläufen, funktionsfähigen künstlichen Ökosystemen zur Nahrungsmittelerzeugung, einem drastisch reduzierten Energieverbrauch und einem Rückgang der Bevölkerungszahl. Gelingt uns dies nicht, geraten wir immer weiter in die Klemme aus abnehmender Ölförderung und Treibhauseffekt, aus der uns irgendwann nur noch ein globaler Kollaps befreien wird.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Dieser Post erschien auch unter dem Titel "Die Welt in der Klemme" leicht redaktionell verändert in der &lt;a href="http://http//www.readers-edition.de/2007/02/08/die-welt-in-der-klemme/"&gt;Readers Edition&lt;/a&gt;.)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-3981827989459587936?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/3981827989459587936/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=3981827989459587936' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3981827989459587936'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/3981827989459587936'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2007/03/der-teufel-dreht-den-hahn-ab-beelzebub.html' title='Der Teufel dreht den Hahn ab, Beelzebub heizt ein'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-5164568616474925611</id><published>2006-11-20T14:25:00.000+01:00</published><updated>2006-11-20T14:27:48.728+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='George W. Bush'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Neocons'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Peter Sellers'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Mr. Chance'/><title type='text'>Willkommen, Mr. Bush!</title><content type='html'>Wenn unsere Oberstufenlehrer mit uns in den Medienraum gingen, um ein Video anzuschauen (was sie gerne und oft taten, weil sie dann die Stunde nicht vorbereiten mussten), das entsprechende Band aber aus irgendeinem Grund beschädigt oder verloren gegangen war, legten sie gerne als Ersatz (denn sie hatten ja nichts vorbereitet) den einzigen in der Filmsammlung der Schule vorhandenen Spielfilm ein: „Willkommen, Mr. Chance” von Hal Ashby. Im Jahr 1979 und damit gerade noch vor der endgültigen Kapitulation Hollywoods vor der Blockbustermentalität entstanden (nähere Einzelheiten siehe „Easy Riders, Raging Bulls” von Peter Biskind), handelt es sich bei „Being There”, so der Originaltitel, um eine der bösesten und anti-amerikanischsten Satiren, die je auf dem Hoheitsgebiet der Weltmacht Nr. 1 entstanden sind.&lt;div align="left"&gt;       &lt;p&gt;Ihr Inhalt: Mr. Chance, gespielt von einem überragenden Peter Sellers in seinem vorletzten Film, hat sein ganzes Leben als Gärtner im Haushalt einer dieser einflussreichen Hintergrundfiguren der amerikanischen Politik verbracht, die im Stillen ihre Fäden ziehen, ohne viel von sich reden zu machen. Mit bescheidener Intelligenz, aber sehr guten Manieren und exquisitem Geschmack ausgestattet, hat er das luxuriöse Anwesen seit seiner Geburt nicht verlassen und kennt von der Welt jenseits der Gartenmauern nur deren schwachen Widerschein auf dem Fernsehschirm, und außer schön klingenden, aber inhaltsleeren Gemeinplätzen über Dasein und Sosein seiner Rosenstöcke hat er seinen Mitmenschen wenig von Bedeutung mitzuteilen.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Das wäre nicht weiter schlimm, aber eines Tages - und das ist die Fabel des nach einer Novelle von Jerzy Kosinki entstandenen Films - stirbt sein Herr und Meister, und Mr. Chance sieht sich unvermittelt ohne Anstellung und den Anfeindungen des wahren Lebens ausgesetzt. Nach einigen Irrungen und Wirrungen gerät er in die Fänge der Mediengesellschaft: Da er sich distinguiert zu kleiden weiß und angenehm parliert, hält man ihn für einen Mann von Bedeutung und ihm somit Kamera und Mikrofon unter die Nase. Da er nicht so richtig versteht, was um ihn herum eigentlich vorgeht, antwortet er auf jede Frage mit so tiefsinnigen Weisheiten wie der, dass man eine Blume erst gießen müsse, bevor sie wachsen könne, und überhaupt auf jeden Winter ja immer ein Frühling folge. Da das Fernsehen und sein Publikum sympathische und naiv direkte Menschen wie ihn lieben, wird er auf diese Weise unaufhaltsam zum Star, gar zum Berater des Weißen Hauses, und am Ende des Film lässt Regisseur Ashby seinen Hauptdarsteller auf dem Wasser wandeln und entlässt uns mit der schmerzhaften Gewissheit, den Gewinner der nächsten US-Präsidentschaftswahlen vor uns zu haben.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Ich weiß nicht, ob unsere Schule vor 20 Jahren für diese Vorführungen Tantiemen an die Verwertungsgesellschaft Film und Fernsehen abgeführt hat, aber vom heutigen Standpunkt aus gesehen waren die solcherart mit „Fernsehgucken” verbummelten Schulstunden eine weit bessere Vorbereitung auf das politische Leben des beginnenden 21. Jahrhunderts als alle Lektionen über das d'Hondtsche Sitzverteilungsverfahren oder die Funktion des Bundesverfassungsgerichts. Warum ich das glaube? Schalten Sie Ihren Fernseher ein. Schauen Sie sich die Auslandsnachrichten an. Mr. Chance is alive and well und der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ...!&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Offenbar ist noch niemandem diese fast perfekte Übereinstimmung der Identitäten aufgefallen, dabei sticht sie ins Auge: Kaum zu übersehen die Parallelen auf den Gebieten Maßanzug und inhaltsleere Phrase (nur dass Mr. Bush seine Redensarten dem Alten Testament und nicht dem „Handbuch des Rosenzüchters” entnimmt), nicht zu leugnen der gleichermaßen unterbelichtete Intellekt, die unglaubliche Borniertheit und Naivität in Verbindung mit dem gewinnendsten Lächeln Washingtons, die völlige Fehlbesetzung als Führer des mächtigsten Landes der Erde. Dass uns statt Sellers britischer Höflichkeit texanische Cowboy-Allüren („We'll smoke them out of their holes...”) geboten werden, macht dank des medientechnischen Primats von Form über Inhalt keinen allzu großen Unterschied. Und während man Bush Juniors geistigem Vorvater, dem Großen Kommunikator „Ronbo” Reagan, immerhin noch einen standfesten und überzeugten (wenn auch albernen) Antikommunismus abnehmen konnte, besteht der wahre geistige Vollstrecker der Präsidentschaft des kalifornischen Schauspielers nur noch - wie Chance - aus einem großen, laut tönendem Nichts.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Was nicht heißen soll, dass es sich bei dem derzeitigen Amtsinhaber um einen zwar hirnlosen, aber ansonsten harmlosen Trottel handelte. Am Ende von „Being There” beschließt selbstverständlich nicht Mr. Chance selbst, dass er sich um die Präsidentschaft bewerben möchte, es sind die Kumpane seines alten Arbeitgebers, die berühmten Strippenzieher im Hintergrund, die ihm Berater zur Seite stellen und ihn finanziell unterstützen werden, weil sie erkannt haben, dass sich ein großes, laut tönendes Nichts, solange es bei den Menschen draußen im Lande gut ankommt, bestens dafür eignet, geschickt an der Öffentlichkeit vorbei die eigentliche Politik zu betreiben.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Und das wäre dann auch schon der einzige größere Unterschied zwischen dem spöttisch-sanften Zynismus des Hal-Ashby-Films und der unerbittlich harten Realität: Die Strippenzieher von Bush Junior agieren nicht etwa, wie Verschwörungstheoretiker das gerne herbeiphantasieren, in den Hinterzimmern düsterer Kaschemmen oder bei nächtlichen Geheimlogentreffen in alten Burgruinen, sondern im hellen Licht der Weltöffentlichkeit. Es handelt sich um eine Kamarilla um den Vizepräsidenten, den Verteidigungsminister, dessen Stellvertreter und diverse untere Chargen der derzeitigen amerikanischen Regierung, allesamt mit einer sogenannten „Denkfabrik” namens „Project for A New American Century” verklüngelt, die ohne Geheimnistuerei und für alle im Internet einsehbar (&lt;a href="http://www.newamericancentury.org/" target="_blank"&gt;www.newamericancentury.org&lt;/a&gt;) an ihrem Plan arbeitet, die USA zum globalen Imperium klassischer Prägung mit hegemonialer Präsenz auf allen Erdteilen und einem gestaffelten System aus Verbündeten, Vasallen und bei Bedarf gewaltsam in die Schranken zu weisenden Schurkendarstellern zu machen. Wenn sie mal vollends der Hafer sticht, wie beispielsweise einige Wochen nach dem Ende des Irakkriegs bei Pentagon-Staatssekretär Wolfowitz in dem berüchtigten Interview mit „Vanity Fair”, geben Sie sogar ganz offen zu, dass sie die Öffentlichkeit über so unwesentliche Dinge wie das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen im Irak belügen und in Wirklichkeit ganz andere Absichten verfolgen als von den &lt;span style="font-style: italic;"&gt;front men&lt;/span&gt; George W. und Colin Powell bekannt gegeben (Einsicht gefällig? Natürlich beim Pentagon &lt;a href="http://www.defenselink.mil/transcripts/2003/tr20030509-depsecdef0223.htmll" target="_blank"&gt;selbst&lt;/a&gt; möglich...). &lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Das Problem bei der Rolle George W. Bushs dabei ist aber nicht, und in diesen Fragen greift auch ein scharfer und polemischer Kritiker wie Michael Moore wesentlich zu kurz, dass wir gerade Pech haben, weil der derzeitige amerikanische Präsident und seine finsteren Spießgesellen es zufällig geschafft haben, das Amt per Wahlbetrug und Manipulation des Obersten Gerichtshofs dem rechtmäßig gewählten Al Gore vor der Nase wegzuschnappen und jetzt dank 11. September und gewonnenem Irakkrieg unaufhaltsam auf eine zweite Amtszeit zusteuern. Das Problem ist, dass das gesamte Wahlsystem der Vereinigten Staaten, die enorm hohen für eine erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur erforderlichen Geldsummen, das rein spendenorientierte Finanzierungssystem, der dadurch übermächtige Einfluss von Big Business auf die Auswahl der Kandidaten, die Wahlfaulheit und das politische Desinteresse eines Großteils des amerikanischen Volkes, die Konzentration auf medienwirksame Gesten und leere Phrasen, die Verlagerung des Wahlkampfs in das Paralleluniversum der Fernsehwelt und schließlich die große Varieténummer der Nominierungsparteitage in der Summe immer nur das eine bewirken: dass jedes Mal ein neuer Mr. Chance zum Präsidenten gewählt wird. Ein richtiger Politiker mit einem richtigen politischen Anliegen und unterstützt von einer richtigen politischen Partei, die richtige politische Grundsätze verträte, hätte so viele Chancen, das höchste politische Amt der USA zu bekleiden wie eine schwedische Lutheranerin, die Päpstin werden wollte. Beziehungsweise wie Ralph Nader. Diese Entwicklung hat mit dem Fernseh-Wahlduell zwischen Nixon und Kennedy 1960 begonnen und seitdem mit jedem Präsidentschaftswahlkampf an Schärfe zugenommen. Einen ersten Höhepunkt stellten in dieser Hinsicht die beiden Amtszeiten Ronald Reagans dar, einen zweiten erleben wir gerade.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Warum funktioniert das alles? Warum versammeln sich nicht erregte Bürger auf den Straßen der Hauptstadt und fordern die Köpfe der Verbrecher? Warum zeigt keiner mit dem Finger auf den nackten Kaiser, der so bräsig stolz auf einem hinkenden Gaul durch die Straßen Laramies reitet und sich für Wyatt Earp hält? Warum wird er nicht in Grund und Boden gelacht? Auch auf diese Fragen weiß „Willkommen, Mr. Chance” eine Antwort: Als Chance, der Gärtner, die Nachlassverwalter seines verstorbenen Herrn durch sein Zimmer führt, zeigt er auf seinen alten Schwarzweißfernseher und sagt versonnen „I like to watch” - „Ich seh mir gern was an”. In dieser Hinsicht sind wir alle wie Mr. Chance (wahrscheinlich mögen wir ihn deshalb so gern), wir sehen uns gerne etwas an. Wir halten die Fernbedienung in der Hand und möchten die langweiligen Filme wie die unangenehmen Dinge des Lebens am liebsten wegzappen wie ein konsternierter Peter Sellers, als er, endlich in die Freiheit entlassen, im Ghetto von Washington mit einer Straßengang aneinander gerät, die ihm nicht den Gefallen tut, sich beim Drücken auf den Ausschaltknopf in Luft aufzulösen. Wie er glauben wir, dass der Tod etwas ist, „das alten Leuten passiert”, weil wir es so auf dem Bildschirm gesehen haben. Die diesbezügliche Medienkritik aus den Siebzigern und Achtzigern mag ja selbst zur Phrase geronnen sein, weil gegen den Moloch Fernsehen einfach kein Ankommen ist, aber im Grunde genommen hat sich alles daran als haargenau zutreffende Prophezeiung erwiesen.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Und weil wir uns so gerne etwas ansehen, tun wir so wenig. Wir nehmen die Politik, wie alle „großen Dinge”, nur noch als Spiel und Inszenierung wahr (die Politik reagiert darauf, indem sie - oberflächlich gesehen - zu Spiel und Inszenierung wird) und wursteln uns ansonsten durch unser Leben, dass wir als „klein” empfinden, weil es nie so groß und aufregend ist, wie uns die Fernsehserien unserer Kindheit versprochen haben. Manchmal geschieht etwas besonders Schreckliches wie ein Krieg oder eine Naturkatastrophe, dann wachen wir kurz aus unserer wohligen Apathie auf und gruseln uns ein wenig, um dann gleich wieder in den politischen Halbschlaf zu verfallen. Nicht einmal das explodierende World Trade Center hat es geschafft, uns länger als fünf Minuten bei Bewusstsein zu halten und über das „Ende der Spaßgesellschaft” zu debattieren, deren Tanzbären und Wunderdoktoren sich im Anschluss an das Ende der allgegenwärtigen Betroffenheitstalkrunden wieder in Windeseile an allen Ecken und Kanten breit gemacht haben. Und weil das so ist, müssen die Gauner, die unsere Politik bestimmen, nicht einmal mehr lügen, um ungestört ihren finsteren Machenschaften nachzugehen. Die am besten funktionierende Diktatur ist immer noch die, in der eine Gedankenpolizei gar nicht erst nötig ist, weil sich ohnehin alle nur noch für das Liebesleben des englischen Königshauses und die Ergebnisse des letzten Formel-Eins-Rennens interessieren.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Aber wer sollte uns aus dieser tatsächlich existierenden „Matrix” befreien, wenn nicht wir selbst? Wer erinnert sich noch an die Episode auf dem Nominierungsparteitag der Demokratischen Partei 1968 in Chicago, als die Yippies, eine Gruppe aufrührerische Studenten (ja, so etwas gab es damals), ein Schwein namens „Pigasus” zum Präsidentschaftskandidaten ernannten? Die anschließenden Straßenschlachten mit der Polizei dauerten mehrere Tage, die Yippie-Führer wurden als „Chicago Seven” wegen Aufrührertum vor Gericht gebracht (und dort später freigesprochen). Ein klassisches Bespiel dafür, dass die Leute früher einmal wesentlich intelligenter waren. Solchen unverzichtbaren bürgerlichen Ungehorsam hat man heutzutage in Deutschland nicht nur vergessen, es ist bei der letzten Bundestagswahl sogar dazu gekommen, dass man die unseligen direkten Fernsehduelle der Spitzenkandidaten auch in das hiesige Wahlkampfritual mit einbezogen hat, ganz zu schweigen von der Fezzentrale namens „Kampa”, die einmal als wichtigstes Instrument der Umwandlung der bleichen Mutter SPD in einen Kandidatenwahlverein amerikanischer Prägung betrachtet werden dürfte, oder gar Robbi, Tobbi und dem Guidomobil.&lt;/p&gt;       &lt;p&gt;Es ist an der Zeit, mit diesem Unsinn aufzuräumen. Lassen Sie uns unser Möglichstes tun, damit Mr. Chance auf der anderen Seite des Atlantiks bleibt (in England hat er schon Fuß gefasst!). Lassen Sie uns Politiker wählen, die ihn auf internationaler Ebene als den behandeln, der er ist: ein Idiot. Und lassen Sie uns unsere Freunde in Amerika bei ihren Bemühungen unterstützen, ihn endlich in seinen Garten zurückzuschicken und seine Rosenstöcke beschneiden zu lassen. Ignorieren wir in Zukunft die Fährnisse des jungen Prinzen William und übergehen wir die Frage, ob Britney Spears künstlich vergrößerte Brüste hat oder nicht, mit dem geziemenden Schweigen. Kümmern wir uns wieder um unsere eigenen Angelegenheiten. Heute ist der erste Tag vom Rest unserer Geschichte.&lt;/p&gt;       &lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-5164568616474925611?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/5164568616474925611/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=5164568616474925611' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/5164568616474925611'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/5164568616474925611'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2006/11/willkommen-mr-bush.html' title='Willkommen, Mr. Bush!'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9019270879151503571.post-1476202953071169283</id><published>2006-11-20T14:04:00.000+01:00</published><updated>2007-03-07T13:27:36.023+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Spengler'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Matussek'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Deutschland'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ökologie'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zukunft'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schirrmacher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geburtenrate'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Überbevölkerung'/><title type='text'>Grassierender Kinderwahn</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Warum unsere Geburtenrate noch viel zu hoch ist&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutschland ist also am Ende. Der einst lebensfroh strotzende Volkskörper hat sich in ein zusammenhangloses Nebeneinander von „Bastelbiographien“ und „Flickwerkfamilien“ verwandelt, das der „Anbetung des eigenen Bauchnabels“ verfallen ist, „Masche für Masche“ des sozialen Netzes zerreißt und bei all dem die Lust an der biologischen Reproduktion verloren hat; die Frauen haben es aufgegeben, ihren Männern ein gemütliches Heim zu bereiten, dafür aber die Bewusstseinsindustrie übernommen, von wo aus sie die endzeitlich schlaffe Kultur dominieren; wegen des Fehlens der „Überlebensmaschine Familie“ können wir&lt;br /&gt;keine Krisensituationen mehr bestehen; und wenn wir dereinst unseren dritten Jahresurlaub zum Tauchen ans Rote Meer nicht mehr antreten können, weil uns die Zipperlein gar zu sehr plagen, werden uns die Augen aufgehen und wir werden nichts sehen als die lindgrün gestrichenen Wände einer luxuriösen, aber einsamen Altenheimwohnung, die nie vom Lachen unserer Enkel erfüllt war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So oder ähnlich ist es jedenfalls seit Monaten überall dort zu hören, wo sich die beiden für die heutige Zeit nicht untypisch zeugungsmuffeligen Kleinfamilienvorstände, Scheidungsopfer und Karrierehanseln Matthias Matussek und Frank Schirrmacher (neuerdings sekundiert von der Fernseh-Betriebsnudel Eva Herman) ihren Weg in die Gehörgänge der Öffentlichkeit fräsen. Die Kommandozentrale des Raumschiffs Feuilleton bombardiert die Nation relativ kenntnislos, aber dafür umso eindringlicher mit halb verdauten Bevölkerungsstatistiken und gefühligen Großmutterweisheiten, um das Gewissen der armen Frau Germania wachzurütteln: Sei fruchtbar und mehre dich – wir kriegen sonst keine Rente! Du sollst wieder eine richtige Frau sein, nicht so ein Flintenweib, das einem die Kinder wegnehmen und Karriere machen will! Du sollst Blutsbande knüpfen und zeigen, dass Muttern die Beste ist! Und jetzt aber schnell, sonst verlernen wir das Kindermachen noch ganz und gar!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht weniger unheilschwanger orakelt außerdem in der weltweit viel gelesenen Internetausgabe der Asia Times eine geheimnisumwitterte Sibylle, die sich den sprechenden Kampfnamen „Spengler“ gegeben hat und ihren Lebensunterhalt damit verdient, ungefähr anderthalb Bücher über die europäische Kulturgeschichte gelesen zu haben, in zweihundert Jahren werde man Deutsch und Französisch „ausschließlich in der Hölle“ sprechen. „Spengler“, der seine wahre Identität beharrlich geheim hält, hat die Thesen Samuel Huntingtons vom „Kampf der Kulturen“ mit der biologistischen Geschichtsphilosophie seines großen deutschen Namensvorbilds zu einer meist vergnüglich zu lesenden, immer aber ausgesprochen abstrusen neokonservativen Mischung vermengt, der zufolge die heutigen Europäer gewissen Naturvölkern glichen, die nach dem Kontakt mit der als übermächtig empfundenen westlichen Moderne ihre Lust am Weiterbestehen verloren hätten und auf dem Wege einer allgemeinen Fortpflanzungsverweigerung langsamen Kollektivselbstmord begingen. Unsere eigene Nemesis wäre dabei die geburtenstarke und glaubensfeste muslimische Welt, und eines nicht allzu fernen Tages würde vom Kölner Dom der Ruf der Muezzins weit über die Rheinebene erschallen und die Gläubigen zum Gebet rufen ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei derartig düster dröhnenden Götterdämmerungsakkorden verwundert es nicht, dass auch die deutsche Bundesregierung bereits reagiert hat, um unserem drohenden Aussterben vorzubeugen: Mit der Einführung des Elterngeldes ab dem kommenden Jahr 2007 sollen karrierebenebelte Businesskostümträgerinnen mit Universitätsabschluss zurück auf den Pfad der Tugend gebracht werden und Nachwuchs in die Welt setzen, denn „In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder“, so der Bankberater und FDP-Nachwuchsabgeordnete Daniel Bahr, der zwar von 2002 bis 2005 Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für demographische Entwicklung, selbst aber auch noch nicht in dieser Richtung tätig war – vermutlich des drohenden Gehaltsabsturzes auf Filialleiterniveau wegen. Finanziert wird der Geldsegen wie üblich mit Einnahmen, die man noch nicht erzielt hat (letzten Endes also mit einer Staatsanleihe, deren Zinsen wiederum dem geldbesitzenden oberen Mittelstand zugute kommen), und wenn man dann, wie zu erwarten ist, in ein paar Jahren feststellt, dass die ganze Mühe für die Katz war und auch die noch weitergehende Forderung des Exverfassungsrichters Paul Kirchhof nach 10.000 Euro pro Jahr und gebärwilliger Frau zu keiner wesentlichen Erhöhung der Fertilitätsrate geführt haben, wird man vermutlich die Pille verbieten oder einem jüngst von dem amerikanischen Stadtsoziologen Mike Davis geäußerten Vorschlag folgen und öffentliche Fruchtbarkeitsrituale mit Kondomverbrennungen abhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass es sich bei dem theoretischen Unterbau des Ganzen um ein Sammelsurium schillernder Sumpfblüten handelt, deren Ausdünstungen nach der „blutigen Idylle des 19. Jahrhunderts“ (taz) und „antizivilisatorischen Reflexen“ (jw) riechen (von der ideengeschichtlichen Wiedergängerei eines „Spengler“ ganz abgesehen), dass die Geburtenraten in Wirklichkeit seit den frühen siebziger Jahren ungefähr auf dem gleichen Stand geblieben sind, dass Akademikerinnen gar nicht viel weniger Kinder bekommen als Nicht-Akademikerinnen, dass hier eine „Traktatgeneration und Putzteufelgruppe“ aus Alt-Maoisten und „Hobby-Biologen“ (Frankfurter Rundschau) blindwütige Panikmache betreibt, um ihre existenzielle männliche Verunsicherung dem Phänomen unabhängige Frau gegenüber zu kaschieren, wurde von anderen und an anderer Stelle bereits ausreichend gewürdigt. Reden wir hier lieber von Überbevölkerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie bitte? Kein Thema mehr heutzutage, und vor allem nicht in Deutschland? Wir können doch unsere Bevölkerung problemlos ernähren, es werden sogar Agrarflächen stillgelegt? Längst widerlegter Malthusianismus? Keineswegs. Lassen wir unsere Erinnerung zurückschweifen in die siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Damals wurde man von allen Seiten mit Warnungen überhäuft, dass unser Planet bei konstantem Fortschreiten des seinerzeitigen Bevölkerungswachstums in Kürze von einer dreifachen Schicht gestapelter Menschenleiber bedeckt sein würde; Massen asiatischer und afrikanischer Hungerflüchtlinge würden sich auf den Weg ins Gelobte Land Europa machen und bettelnd und marodierend die Straßen unserer Städte verstopfen; die Bevölkerung würde schneller wachsen, als der technische Fortschritt ihre Ernährung weiterhin sichern könnte. Diese Prophezeiung scheint, von ihrem Mittelteil abgesehen, der jeden Tag an den Stränden der Kanarischen Inseln oder vor den Stacheldrahtsperren Ceutas ein Stück mehr Wirklichkeit wird, nicht eingetreten zu sein. Die so genannte „Grüne Revolution“ hat seit den 1950er Jahren eine enorme Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge ermöglicht, und wenigstens einem Bericht der Welternährungsorganisation FAO aus dem Jahr 2000 zufolge müssen wir auch für die nächste Zukunft keine Angst haben, da selbst die für 2030 erwartete Zahl von 8 Milliarden Erdenbürgern genug zu essen haben soll, und das sogar ohne Berücksichtigung des zusätzlichen Anbaupotenzials durch genetisch modifizierte Nahrungsmittel. Zwar musste auch die FAO zwei Jahre später zugeben, dass trotzdem gegenwärtig 800 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, aber das wird heute im wesentlichen als Problem der Verteilung, nicht der Produktion angesehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leider handelt es sich hierbei um einen Fall von Blauäugigkeit im fortgeschrittenen Stadium. Die Höhe der gegenwärtigen Nahrungsmittelproduktion ist natürlich keine physikalische Konstante, sondern beruht einzig und allein auf drei Säulen der besagten „Grünen Revolution“, deren mittel- und langfristige Stabilität alles andere als in Beton gegossen ist: erstens der durchgehenden Mechanisierung der Landwirtschaft, zweitens dem flächendeckenden Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln, drittens der extensiven Nutzung der Weltwasservorräte zur Bewässerung von landwirtschaftlich eigentlich ungeeigneten Trocken- und Wüstengebieten. Die dritte Säule ist sicher auch in Zukunft nicht Deutschlands größtes Problem: Zwar wird in einem Bericht der Unesco von 2005 davon geredet, dass die Pro-Kopf-Versorgung mit Wasser im globalen Maßstab zwischen 1970 und 1990 um ein Drittel zurückgegangen ist und bereits heute 500 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Frischwasser haben, aber dies spielt natürlich vor allem für Länder wie etwa Syrien eine Rolle, das seine hohe Geburtenrate von 3 Kindern pro Frau nur durch massive Bewässerungsprogramme abfangen kann, ohne die es unweigerlich zu  Hungersnöten käme. Die ersten beiden Säulen allerdings sind von unmittelbarer Bedeutung auch für Mitteleuropa, weil sie nicht von der problemlosen Verfügbarkeit billiger Primärenergie aus fossilen Rohstoffen zu trennen sind, denn nur dadurch ist ja ein wirtschaftlicher Betrieb der Traktoren- und Mähdrescherflotten der Welt erst möglich, nur dadurch können die auf Erdölbasis beruhenden Insektizide und Pestizide produziert werden, ohne die der auf riesigen Monokulturen basierende Anbau nicht möglich ist, und nur dadurch rechnet sich die Synthetisierung des benötigten Stickstoffdüngers durch das Erdgas fressende Haber-Bosch-Verfahren, bei dem zur Herstellung eines Kilogramms Dünger das Energieäquivalent von fast anderthalb Liter Erdöl aufgewendet werden muss (wenn Sie den Grund wissen wollen, warum keine deutsche Regierung Russland  jemals öffentlich wegen dessen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien anklagen würde – schauen Sie auf Ihre Gasrechnung, oder gehen Sie in eine Düngemittelfabrik).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie aber neuerdings selbst die neoliberalen Stoßtrupps von Handelsblatt und FAZ oder der frühere US-Energiestaatsminister James Schlesinger zugeben müssen, ist ebendiese problemlose Verfügbarkeit billiger Primärenergie aus fossilen Rohstoffen mittel- und langfristig nicht mehr gegeben, weil die jährliche Welt-Ölfördermenge in den nächsten Jahren ihr Maximum erreichen wird oder es bereits erreicht hat – Peak Oil. Über den genauen Zeitpunkt streiten die Experten noch, aber dass die Menge des zur Verfügung stehenden fossilen Treibstoffs  in nicht allzu ferner Zukunft langsam, aber unaufhaltsam sinken wird und damit den wachsenden Bedarf nicht mehr decken kann, wird nur noch von Branchenaußenseitern bestritten und hat inzwischen sogar Aufnahme in ein offizielles Thesenpapier für den St.-Petersburger G-8-Gipfel im vergangenen Juli gefunden. Das ist kein Grund dafür, in Dauerpanik zu verfallen und in die Rolle des hilflosen Statisten in einem dunkel-depressiven Weltuntergangsfilm zu verfallen, aber es bedeutet doch ganz elementar, dass die Ölförderung – kanadischer Ölschiefer hin, saudisches Schweröl her – nach Schätzungen unabhängiger Geologen in etwa dreißig Jahren auf den Stand der frühen achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgegangen sein wird. Das hört sich nicht allzu dramatisch an (Hey Mann, die Achtziger...!), aber damals waren wir eben noch die einzigen Säufer weit und breit und mussten weder Indien noch die südostasiatischen Tiger oder gar China als konkurrierende Schluckspechte  fürchten. Außerdem werden wir uns sicher auch schwer damit tun, wieder in einer Welt zu leben, deren Gesamt-Wirtschaftsleistung nur halb so hoch war wie die heutige, wenn darin gleichzeitig nicht die damaligen viereinhalb, sondern acht oder neun Milliarden Menschen Arbeit, Obdach und Brot suchen. Die FAZ jedenfalls rät zu Investitionen in „innovative kleinere und mittlere Unternehmen“, die sich mit der Ölförderung beschäftigen, denn hier wird in den nächsten Jahrzehnten dank astronomisch steigender Preise ordentlich Reibach zu machen sein – und dies wegen der drogenartigen Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl ohne jeden überflüssigen Schnickschnack wie Marketingkampagnen, Einhaltung von Umweltstandards oder Goodwill-Aktionen zur Beruhigung von Greenpeace.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie eng die Versorgungslage bereits heute ist, zeigen die Rohölpreise des vergangenen Sommers: ein kleiner Grenzkrieg in Nahost, ein paar Entführungen in Nigeria, eine ausfallende Ölleitung in Alaska –  und schon schießt der Barrel auf fast 80 Dollar hoch, womit der Preis inflationsbereinigt fast an die historischen Rekordmarken der zweiten Ölkrise 1978 heranreicht. Und trotz des aktuell wieder stark gefallenen Preises ist das längst nicht das Ende der Fahnenstange, denn eine weitere Verknappung des Angebots wird notwendigerweise irgendwann zum Fall der 100-Dollar-Marke führen, und dann heißt es: Anything goes ... Die steigenden Ölpreise bedeuten selbstverständlich nicht nur, dass wir uns den oben erwähnten dritten Jahresurlaub zum Tauchen ans Rote Meer, wie man so schön sagt, in die Haare schmieren können; sie werden langfristig auch enormen Druck auf den Agrarsektor ausüben. Zum einen wird der fossile Treibstoff für Traktoren und Mähdrescher irgendwann so teuer, dass eine wahre Stampede auf Anbau und Produktion von Biotreibstoffen wie Rapsdiesel oder Ethanol einsetzen wird, was derzeit bereits ansatzweise in den USA zu beobachten ist, deren Maisernte dem dortigen Landwirtschaftsministerium zufolge nächstes Jahr zu 20 bis 25 % in die Ethanolherstellung gehen soll. Zum anderen dürfte der Bedarf an Erdgas für Hausheizungen und Prozesswärme in der Industrie parallel dazu den Haber-Bosch-Prozess so stark verteuern, dass irgendwann der gute alte Stallmist wieder zu seinem Recht kommt. Alles ökologisch, praktisch, gut. Leider aber mit enormem Flächenverbrauch und sinkenden Hektarerträgen verbunden, was notwendigerweise zu einer insgesamt sinkenden Nahrungsmittelproduktion führt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kein Grund zur Panik, aus Bauern werden eben Ölscheichs? Hören wir mal, was Frau Pi und Herr Daumen zum Thema Biotreibstoff meinen: Die beispielsweise aus einem Hektar Raps gewonnene Biomasse kann zu etwa 30 Prozent in Treibstoff umgewandelt werden und liefert dabei um die 1400 Liter Biodiesel, mit denen aufgrund des geringeren Brennwerts aber nur 1200 Liter Fossildiesel ersetzt werden können. Leider wird in optimistischen Zukunftsszenarien gerne vergessen, dass für Düngung, Feldbearbeitung und Pflanzenschutz sowie für die Arbeitsvorgänge in Ölmühle und Umesterungsanlage ebenfalls Energie aufgewendet werden muss, in diesem Fall den neuesten Angaben zufolge das energetische Äquivalent von satten 800 Litern Diesel, die bei dem Wunschziel völliger Unabhängigkeit von fossiler oder Atomenergie natürlich vom Gesamtertrag gleich wieder abgezogen werden müssen. Auf der Habenseite fallen noch Nebenprodukte wie Rapsstroh als Futtermittel oder Glycerin an, zu deren Herstellung dann wiederum keine fossile Energie verwendet werden muss, aber der tatsächlich nutzbare Reinertrag pro Hektar dürfte sich Branchenangaben zufolge auf nicht mehr als 800 Liter belaufen. Um damit alle deutschen Pkw und Lkw ein Jahr lang „nachhaltig“ antreiben zu können (ungefährer Gesamtbedarf: ca. 50 Milliarden Tonnen), müsste die gigantische Fläche von 750.000 Quadratkilometern Ackerland mit Raps bepflanzt werden, das ist etwas weniger als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Europäischen Union (in Wirklichkeit sind es sogar bis zu 3 Millionen, weil Raps nur alle drei bis vier Jahre auf demselben Feld angebaut werden kann). Das hat unerwartete Folgen auch für den landwirtschaftlichen Mechanisierungsgrad, denn wenn man bedenkt, dass nach einer  jüngst veröffentlichten Studie für Bodenbearbeitung und Ernte beim Rapsanbau jährlich um die 150 Liter Kraftstoff je Hektar an Maschinenleistung aufgewendet werden müssen, ergibt sich ein bestenfalls zu erzielendes Nettoverhältnis von 1 Hektar Anbaufläche für den Betriebsstoff zu knapp 6 Hektar Fläche, die man damit bearbeiten kann. Dieses Verhältnis ist, wenn man den Zahlen des bekannten irischen Zugpferdexperten Charlie Pinney glauben will, keineswegs besser als in der traditionellen Pferdewirtschaft, in der ein durchschnittlicher 40-Hektar-Betrieb mit 5 Pferden bewirtschaftet werden konnte, die etwa 5 Hektar zusätzliche eigene Weidefläche benötigten – ganz abgesehen davon, dass für die „Herstellung“ eines Pferdes keine weitere Energie fressende technische Infrastruktur erforderlich ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Brasilien? Verlieren wir uns nicht in tropischen Fata Morganas: Die dortige Ethanolherstellung ist nur deshalb wirtschaftlich, weil für einen Großteil der Böden aufgrund von deren hoher natürlicher Fruchtbarkeit kaum Mineraldüngung erforderlich ist, das Zuckerrohr für seine eigene Stickstoffdüngung sorgt, das warme Klima mehrere Ernten im Jahr ermöglicht und die für die Herstellung eingesetzte Energie zum großen Teil nicht von Maschinen, sondern von einem Heer schlecht bezahlter Wanderarbeiter geleistet wird, die die Pflanzen wie zu Urgroßvaters Zeiten mehrmals jährlich durch Brandrodung und den Einsatz ihrer Macheten ernten. Brasilianisches Zuckerrohr ermöglicht Studien zufolge eine Netto-Energiebilanz von ungefähr 9 zu 1, die Ethanolherstellung aus europäischen Zuckerrüben nur von 1,3 zu 1! Darüber hinaus bedroht die geplante Ausweitung der Produktion von Biosprit durch ökologisch katastrophale, mit hohem Pestizid-Einsatz bewirtschaftete Zuckerrohr-Monokulturen wertvolle Naturreservate wie den Pantanal oder den Regenwald im Norden des Bundesstaats Mato Grosso und stellt – wie schon die großflächigen Soja- und Eukalyptusplantagen oder die riesigen, für die extensive Rinderhaltung verschwendeten Weideländer – geradezu einen Schlag ins Gesicht der 1,5 Millionen brasilianischen Landlosen dar, die keinen Boden finden, um ihre Familien zu ernähren. Aus Verzweiflung über die Pläne der Regierung in Brasilia, das Verbot von Ethanolfabriken im Pantanal aufzuheben, verbrannte sich Ende letzten Jahres der brasilianische Umweltaktivist Francisco Gomes de Barros; erst dadurch wurde die Öffentlichkeit wachgerüttelt, und man entschied sich gegen die Fabriken. Ähnliche Verhältnisse hierzulande sind weder denkbar noch wünschenswert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Umsetzung anderer Modellrechnungen für den Einsatz erneuerbarer Energieträger könnte zu einer gewissen Enge in Deutschland führen: So präsentierte beispielsweise die stets optimistische Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Jahr 2003 Zahlen, nach denen der Strombedarf von fünf durchschnittlichen Einfamilienhäusern mit zwei bis drei Bewohnern ein Jahr lang durch das Biogas, das aus einem einzigen Hektar Mais gewonnen wird, gedeckt werden könnte. Das hört sich zunächst nicht schlecht an, allerdings wird auch hier wieder die für den Anbau einzusetzende Energie vernachlässigt, und außerdem bedeutet es, das allein für die private Stromversorgung Deutschlands (ca. 4000 kWh pro Haushalt laut Verband der Elektrizitätswirtschaft) satte 7 Millionen Hektar, das ist über ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche, mit Mais bepflanzt werden müssten – vom industriellen Strombedarf ganz zu schweigen, für den weitere 5000 kWh pro Kopf zu veranschlagen sind. Ein weiteres Paradebeispiel ist die Heizung der Privathaushalte: Ein Hektar Wald liefert durchschnittlich 7 Festmeter nachwachsende Biomasse im Jahr, das sind ungefähr 4 Tonnen Holz mit einem maximalen Brennwert, der dem von 2400 Litern Heizöl entspricht. Insgesamt werden in Deutschland derzeit um die 35 Milliarden Liter Heizöl pro Jahr verbraucht, deren Ersetzung für die Privatheizung etwa in Form von Holzpellets würde also zu einem weiteren Flächenbedarf in Höhe von 145.000 Quadratkilometern Wald führen, das ist fast das Anderthalbfache der derzeitigen Gesamt-Waldfläche. Man könnte es unter den günstigsten Umständen vielleicht schaffen, so viel Energie wie möglich zu sparen und einen Großteil der noch benötigten Menge durch Geothermie, Windkraft und Sonnenenergie zu erzeugen, aber selbst dann würde man immer noch riesige Flächen brauchen, um die Energieträger zu erzeugen, mit denen die so gewonnene Primärenergie für Verkehr, selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die winterliche Heizperiode und die chemische Industrie erst nutzbar würde (ob das dann noch wirtschaftlich ist, sei dahingestellt).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was da insgesamt auf uns zukommt, können wir einem simplen Vergleich der Zahlen für Bevölkerung und landwirtschaftlich genutzte Fläche vom Ende des 19. Jahrhunderts mit den heutigen Werten entnehmen: Vor der flächendeckenden Einführung des Kunstdüngers und der Mechanisierung der Landwirtschaft, aber bei Gewährleistung einer gewissen technischen Infrastruktur durch Ausbeutung der heimischen Kohlevorkommen und den Einfuhr chilenischen Guano-Düngers war das Deutsche Reich 1882 mit seinen 540.000 Quadratkilometern Gesamtfläche (davon 320.000 landwirtschaftlich genutzt) in der Lage, ungefähr 45 Millionen Einwohner zu ernähren, das entspricht einem landwirtschaftlichen Flächenbedarf von 0,7 Hektar pro Kopf, einschließlich eines guten Zehntels, das für die Ernährung der Zugtiere reserviert war, und der für den Anbau von Textilrohstoffen wie Flachs benötigten Äcker. Die heute landwirtschaftlich genutzte Fläche der Bundesrepublik Deutschland von ca. 190.000 Quadratkilometern ergibt einen Vergleichswert von nur 0,2 Hektar pro Kopf! Darüber hinaus lagen die Provinzen mit dem höchsten landwirtschaftlichen Nutzungsgrad seinerzeit östlich der Oder in den heute zu Polen gehörigen Gebieten. Viel Spielraum gab es im Kaiserreich aber trotz der ost- und westpreußischen Kornkammern nicht: Deutschland galt zwar hinsichtlich der Nahrungsmittel als Selbstversorger, konnte aber die damaligen enorm hohen Geburtenraten (um die fünf Kinder pro Frau) nicht durch eine weitere Steigerung der Nahrungsmittelproduktion und ausreichendes wirtschaftliches Wachstum ausgleichen, sodass in die letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts die „Gründerjahre“ des deutschen Imperialismus ebenso wie der Zeitraum mit den höchsten Auswandererzahlen (1881-84) fallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nun die Preisfrage: Wie viele Menschen könnte denn das heutige Deutschland auf seiner Fläche maximal ernähren, wenn keine fossile Energie mehr zur Verfügung steht, auf Atomkraft verzichtet wird, außerdem – warum nicht die Utopie wagen? – die gesamte Landwirtschaft nur noch Bio-Lebensmittel produziert und dazu ausreichend Naturschutzreservate eingerichtet werden, um den hierzulande noch vorkommenden Arten Rückzugsräume zu bieten, trotzdem aber ein Mindestmaß an technischer Zivilisation aufrechterhalten werden soll?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die genau Beantwortung wollen wir einer noch zu schreibenden Diplomarbeit oder Dissertation im Fach Volkswirtschaftslehre oder Ökotrophologie überlassen, aber der World Wildlife Fund hat Deutschland vor kurzem in seinem Living Planet Report unter den Ländern aufgeführt, deren ökologischer „Fußabdruck“ ihre biologische Tragfähigkeit um mehr als 50 Prozent überschreitet. Und auch das bewährte Duo Pi und Daumen liefert uns einen ersten Anhaltspunkt über die zu erwartenden Zahlen: Die gesamte hierzulande verbrauchte Primärenergiemenge betrug 2005 die enorme Menge von 14257 Petajoule (14.257.000.000.000.000.000 Joule), das ergibt einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von ungefähr 175 Gigajoule oder knapp 6 Tonnen Steinkohleäquivalent (zum Vergleich: in Nordamerika verbraucht man 340 Gigajoule pro Kopf, in Afrika nur 15 Gigajoule). Bezogen auf den Endverbrauch schlüsselt sich diese Summe ungefähr wie folgt auf: 40 % für Heizung und Warmwasser, 30 % für den Verkehr, 20 % für den Stromverbrauch und der Rest für Prozesswärme usw. in der Industrie. Nehmen wir nun an, dass unter den günstigsten Umständen der derzeitige Stromverbrauch durch effizientere Einsparungstechniken auf etwa ein Drittel gesenkt und zur Hälfte durch regenerative Energien bereitgestellt werden könnte (eine vollständige Ersetzung durch Sonnen- oder Windenergie ist unmöglich, weil eine ausfallsichere Grundlast vorhanden sein muss, die nicht von den jeweiligen Wind- bzw. Lichtverhältnissen abhängt). Ebenso würden wir alle nur noch Drei-Liter-Autos fahren und unsere Jahres-Kilometerleistung so weit reduzieren, dass der Treibstoffverbrauch insgesamt auf ein Viertel des heutigen Werts zurückginge. Der Heizenergiebedarf würde durch effizientere Dämmung auf die Hälfte gesenkt und weiterhin zur Hälfte durch Solarheizungen gedeckt. Selbst in diesem äußerst optimistischen Szenario blieben uns noch 30 Gigajoule oder 1 Tonne Steinkohleäquivalent pro Kopf, die wir irgendwie aus der vorhandenen Biomasse gewinnen müssten. Der erforderliche Flächenbedarf ist so gut wie unmöglich exakt zu ermitteln, aber der gesuchte Wert dürfte optimalerweise irgendwo im Bereich schnellwachsender Baumarten für die Hausheizung (bis zu 10 Festmeter Zuwachs pro Jahr und Hektar, ergibt gut 100 Gigajoule Brennwert), der Biogaserzeugung aus Silomais oder der Herstellung des neuen Wunder-Biotreibstoffs „SunDiesel“ (laut FNR jeweils bis zu 120 Gigajoule jährlicher Netto-Energieertrag pro Hektar) liegen, womit ein  Durchschnittspotential von gut 100 Gigajoule pro Hektar zu erwirtschaften sein sollte. Bei Umwandlungen in andere Energieformen treten natürlich unweigerlich Umwandlungsverluste auf, nehmen wir also lieber einen Wert von 70 Gigajoule pro Hektar an (das ist technisch gesehen immer noch sehr optimistisch!), sodass sich ein Flächenbedarf für die Energieerzeugung von 0,4 Hektar pro Kopf ergibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dazu käme noch die Pro-Kopf-Fläche für den Nahrungsmittelanbau, die wegen der geringeren Erträge beim Biolandbau und des gestiegenen Bedarfs an Wolle und anderen Bekleidungsrohstoffen größer wäre als heute, dank fortschrittlicher Anbaumethoden und besseren Saatguts aber sicher nicht so groß wie 1882. Ein Wert von 0,5 Hektar pro Person dürfte auf jeden Fall ausreichend sein. Insgesamt braucht eine Person in unserem biologisch-dynamischen Deutschland also eine Fläche von ungefähr 0,9 Hektar für die Energie- und Nahrungsmittelerzeugung. Jetzt können wir eine Gesamtabschätzung vornehmen: Realistischerweise müssen wir die landwirtschaftlich nutzbare Gesamtfläche etwas geringer als den aktuellen Wert ansetzen, weil heute viele frühere Heidegebiete beackert werden, die ihre natürliche Fruchtbarkeit schon in der Bronzezeit oder im Mittelalter verloren haben und ohne den Einsatz von Kunstdünger für den Feldbau schlicht ausfallen; ein Wert von 150.000 Quadratkilometern dürfte aber im Bereich des Möglichen liegen. Auf der anderen Seite können wir sicher die Hälfte der heutigen Waldfläche (100.000 Quadratkilometer) in unsere Berechnung mit einbeziehen, um sie zur Erzeugung von Biomasse und Brennholz zu nutzen. Mehr sollte es nicht sein, um nicht die gewünschten Rückzugsräume für Artenschutz und Erholung zu gefährden und das Land nicht in eine ökologisch tote Ansammlung von Energiepflanzen-Monokulturen zu verwandeln, außerdem finden sich Wälder oft in land- oder fortwirtschaftlich schwer nutzbaren Höhenlagen (und Möbel brauchen wir schließlich auch). Insgesamt ergibt das eine maximal nutzbare Fläche von etwa 200.000 Quadratkilometern und damit eine „nachhaltige“ Bevölkerungszahl von, Luft anhalten, ungefähr 22 Millionen Einwohnern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erscheint Ihnen beunruhigend wenig im Vergleich mit den heutigen 82 Millionen? Vergessen Sie dabei nicht, dass wir oben die für die Herstellung von Solaranlagen und Windrädern erforderliche Energie sowie den Flächenbedarf für „Kunststoffersatzpflanzen“ wie Hanf ignoriert haben, der wirkliche Wert ist also möglicherweise noch viel kleiner ... Natürlich gibt es auch energiepolitische Alternativen: So könnte man beispielsweise in Deutschland mehrere hundert schnelle Brüter bauen, die den Gesamtenergieverbrauch auf dem derzeitigen Niveau halten und eine möglichst langfristige Nutzung der verfügbaren Uranvorräte gewährleisten würden. (Die heutige Zahl an konventionellen Reaktoren ist laut Zahlen der Internationalen Atomenergiebehörde bei konstantem Verbrauch auch nur noch maximal 50 bis 100 Jahre mit Brennstoff zu versorgen.) Die von diesen Brutreaktoren erzeugte Energie könnte dann über Stromnetze verteilt werden, um Häuser zu heizen, Waschmaschinen wie Industrieanlagen zu betreiben, Wasserstoff und Biosprit für den Individualverkehr zu erzeugen, Stickstoffdünger mit Hilfe von Wasserstoff zu gewinnen und den Massentransport von Gütern und Personen über das Eisenbahnnetz abzuwickeln. Dazu würden natürlich auch mehrere, über das ganze Land verteilte Wiederaufbereitungsanlagen vom Kaliber Wackersdorf gehören, und die Veteranen der Anti-Atom-Bewegung hätten endlich wieder etwas anderes zu tun als den Enkeln von ihren Erlebnissen damals beim Steinewerfen am Bauzaun vorzuschwärmen. Diese Alternative ist natürlich schon wegen der Menge des dabei anfallenden Atommülls, der zur Kühlung nötigen, absurd hohen Erwärmung der deutschen Flüsse und der eklatanten Betriebsmängel der bisher gebauten Testbrüter keine, aber immerhin gibt es ja am Horizont den kleinen Silberstreif Fusionsenergie ... Leider handelt es sich hierbei um einen Galopper, der im Führring immer einen glänzenden Eindruck macht, aber draußen auf der Rennbahn dann regelmäßig nach wenigen Metern zusammenbricht. Wie oft hat man uns schon diese saubere und unerschöpfliche Energiequelle gepriesen, die die Sonnenenergie nicht sekundär nutzen, sondern ihre Erzeugung nachahmen würde, deren Rohstoff in unerschöpflichen Mengen überall vorhanden ist, die endlich das Tor zum Zeitalter der Sterne aufstoßen könnte ...! Nun, selbst die hartnäckigsten Optimisten und Fusionsfreaks gehen heute nicht mehr davon aus, dass ein erster Reaktor-Prototyp vor dem Jahr 2050 den Betrieb aufnehmen kann, was angesichts des unmittelbar drohenden Ölfördermaximums, gelinde gesagt, ein wenig spät ist. Wir können die Möglichkeit keinesfalls ausschließen, dass langfristig gesehen die Energiefrage auf diese Art und Weise tatsächlich irgendwann endgültig gelöst und damit das Tor zu einer Science-Fiction-Welt unerschöpflicher Energie aufgestoßen wird, momentan würden nur unverbesserliche Zocker oder CDU-Energieexperten ihr Geld darauf setzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Freunde der Sonnenenergie werfen gerne mit unrealistischen Zahlen um sich: So nimmt man etwa die 750 bis 1000 Kilowattstunden Sonnenlicht, die pro Jahr im Durchschnitt auf jeden Quadratmeter mitteleuropäischen Bodens fallen, multipliziert sie mit der vorhandenen Fläche und erreicht damit natürlich eine astronomisch hohe Energieausbeute, die man dann mit Wasserstoff als Energieträger für eine bruchlose Fortsetzung der technischen Zivilisation nutzen will. Dagegen gibt es unmittelbar einleuchtende Einwände, schließlich wird diese Energie zu einem nicht geringen Teil dafür benötigt, Atmosphäre und Bodenoberfläche zu erwärmen sowie das Pflanzenwachstum anzutreiben, außerdem ist der Gesamtwirkungsgrad der „solaren Wasserstoffwirtschaft“ wegen des hohen Energiebedarfs für die Herstellung der Fotovoltaikelemente und der verlustreichen Wasserstoffgewinnung und -speicherung ausgesprochen niedrig – die Solartechnik, die effizienter Sonnenlicht einfängt und in chemisch nutzbare Energieträger umwandelt als die in Jahrmillionen der Evolution entstandene natürliche Vegetation, muss erst noch erfunden werden. In wirtschaftlicher Hinsicht fällt hier aber vor allem das Argument ins Gewicht, dass die solare High-Tech-Industrie mit ihrem hohen Bedarf an exotischen Metallen, Kunststoffen und anspruchsvollen Produktionsverfahren gar nicht ohne die heute existierende technische Infrastruktur denkbar ist – und die basiert nun mal voll und ganz auf billiger fossiler Energie und billigen fossilen Rohstoffen. Sie vollständig zu ersetzen würde bedeuten, Bohrhämmer, Förderbänder, Minenkipper, Schmelzöfen, Transportbahnen, Frachtschiffe, Veredelungsanlagen, chemische Reaktoren, Reinräume, Vakuumkammern, Lkws und, und, und mit Sonnenenergie oder Biodiesel zu betreiben und außerdem alle dazu benötigten Kunststoffe auf pflanzlicher Basis herzustellen. Das ist technisch sicher nicht unmöglich, aber es ist technisch auch nicht unmöglich, beispielsweise unseren mineralischen Rohstoffbedarf mit einer Flotte von reaktivierten Apollokapseln zu decken, die mit jeweils drei Mann Besatzung zum Schürfen auf den Mond geschickt werden, nur ist es eben leider weit entfernt von jeder Wirtschaftlichkeit. In diesem Zusammenhang sind auch die beliebten Modellrechnungen, nach denen eine bestimmte alternative Energieform „ab einem Kilowatt-/Rohöl-/Tonnenpreis von X Euro“ konkurrenzfähig wird, nur schöner Selbstbetrug – wenn fossile Rohstoffe teurer werden, wird auch die gesamte industrielle Infrastruktur teurer, und damit erhöht sich automatisch der Preis jeder Energieform, die davon in irgendeiner Weise abhängt (also von allen außer dem Zugpferd).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann es drehen und wenden, wie man will: Nach dem Ende der fossilen Energiewirtschaft werden in Deutschland (wie in jedem anderen Land der Welt) vermutlich sehr viel weniger Menschen Platz finden als heute. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute lautet, dass fossile Rohstoffe noch einige Jahrzehnte zur Verfügung stehen werden, wir haben also noch ausreichend Zeit, eine niedrigere Bevölkerungszahl nicht durch Hungersnöte, Kriege und Seuchen zu erreichen (den historisch bewährten Methoden, wie etwa in Jared Diamonds Kollaps nachzulesen), sondern einfach dadurch, dass wir beim Fortpflanzen weiter so faul sind wie bisher und in Zukunft noch fauler werden. Die Frage, ob unsere Geburtenrate aus den in konservativer Sicht „falschen“ Gründen so niedrig ist (zu viele Karrierefrauen, zu viele Schwule, zu viele Atheisten, zu viele Selbstverwirklicher), können wir dabei getrost ignorieren. Hauptsache, sie ist überhaupt niedrig – und bleibt es auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und jetzt kommen natürlich die Milchmädchen und wollen ihre Rente haben. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, sich an zwei Konzepte zu erinnern, die bei der gesellschaftlichen Debatte zu diesem Thema in der Regel nicht allzuviel Beachtung erfahren: den gesunden Menschenverstand und die Sozialethik. Ersterer verrät uns, dass eine Gesellschaft, die immer weniger Kinder hat, auch immer weniger Steuergelder für Kindergärten, Spielplätze, Schulen, Universitäten, Antiraucherkampagnen und die Bekämpfung der Jugendkriminalität ausgeben muss. Dass die dabei eingesparten Summen in der Regel nicht direkt der steigenden Rentnerzahl zugute kommen, ist ein politisches Problem, kein grundsätzliches. Ebenso politisch, und damit kommen wir zur Sozialethik, ist die Frage der gerechten Verteilung des ja weiterhin erwirtschafteten gesellschaftlichen Reichtums in Deutschland. Hier haben wir noch einige Defizite, schließlich leben wir in einem Land, in dem einer jüngst veröffentlichten Studie zufolge lediglich zwei Prozent aller heute 30- bis 60-Jährigen (die „Erbengeneration“) in den nächsten zehn Jahren ein Viertel des privat gehorteten Reichtum in Höhe von insgesamt 1,4 Billionen Euro erben werden, was die Frage der Altersversorgung für diesen Bevölkerungsteil durchaus weniger schwerwiegend erscheinen lässt. Es ist zwar nicht so schnell zu erwarten, dass der im Parlament hauptsächlich vertretende Mittelstand sich ins eigene Fleisch schneidet und etwa die Erbschaftssteuer erhöht, aber wie man etwa bei der 2008 anstehenden Quellensteueranhebung sehen kann, ist bis jetzt noch jeder Apfel zu Boden gefallen, an dem die Schwerkraft lange genug gezogen hat. Eine schrumpfende Bevölkerung stellt die Sozialsysteme vor ungekannte Probleme und erfordert neue Mechanism der – garstig Wort! – Umverteilung, ein Weltuntergang ist sie nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ist das alles nicht schlimm, kein Kinderlachen mehr auf den Straßen, keine lärmende Enkelschar mehr, die zum siebzigsten Geburtstag mit Opa auf dem Schaukelstuhl wackelt? Im Gegenteil, es ist wunderbar! Lasst tausend Blumen blühen, lautet die Devise, bleibt in Hintertupfingen oder reist um die Welt, arbeitet euch den Arsch ab oder werdet Zen-Mönch, kauft einen Bio-Bauernhof oder räumt das Kadewe aus, bleibt monogam oder versinkt im modernen Beziehungschaos, geht nach Rio oder London und werdet dort Spiegel-Korrespondent oder redigiert die Kreiszeitung, stürmt in jungen Jahren auf den Chefsessel des FAZ-Feuiletons oder schreibt für die Schublade, werdet Fernsehmoderatoren oder schmeißt das Glotzdings aus dem Fenster, bleibt kinderlos, gründet Großfamilien, rettet die Welt, rettet euch selbst, und wenn ihr Kinder habt, kümmert euch anständig um sie! Aber hört bloß nicht auf die Ökoterroristen, die euch einreden, es gäbe zu wenig davon ... und über die Frage, wie man die Geburtenrate wieder höher schrauben kann, dürfen sich dann ruhig unsere Urenkel streiten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9019270879151503571-1476202953071169283?l=muttererde.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://muttererde.blogspot.com/feeds/1476202953071169283/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9019270879151503571&amp;postID=1476202953071169283' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1476202953071169283'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9019270879151503571/posts/default/1476202953071169283'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://muttererde.blogspot.com/2006/11/grassierender-kinderwahn.html' title='Grassierender Kinderwahn'/><author><name>Bernd Ohm</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09935869964045050650</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry></feed>
